skepsiswerke

Laura

#WSPD: To Write Love On Her Arms

Triggerwarning: Selbstverletzendes Verhalten, Drogen- und Alkoholmissbrauch
„She has known such great pain; haunted dreams as a child, the near-constant presence of evil ever since. She has felt the touch of awful naked men, battled depression and addiction, and attempted suicide. Her arms remember razor blades, fifty scars that speak of self-inflicted wounds. Six hours after I meet her, she is feeling trapped, two groups of “friends” offering opposite ideas. Everyone is asleep. The sun is rising. She drinks long from a bottle of liquor, takes a razor blade from the table and locks herself in the bathroom. She cuts herself, using the blade to write “FUCK UP” large across her left forearm.

The nurse at the treatment center finds the wound several hours later. The center has no detox, names her too great a risk, and does not accept her. For the next five days, she is ours to love. We become her hospital and the possibility of healing fills our living room with life. It is unspoken and there are only a few of us, but we will be her church, the body of Christ coming alive to meet her needs, to write love on her arms.“

 

Jamie Tworkowski traf 2006 Renee Yohe, eine 19-Jährige drogenabhängige Frau, die sich selbst verletzte und bereits einen Suizidversuch hinter sich hatte. In der Klinik wird sie dennoch abgelehnt und kann erst wiederkommen, wenn sie clean ist. Das wird in fünf Tagen sein.
Es ist klar, dass Jamie und seine Freunde diese fünf Tage mit ihr verbringen werden.

Sie lenken Renee mit Musik ab. Spielen Gitarre, entführen sie auf Rockkonzerte, um diesen Entzug zum besten überhaupt zu machen, trinken Kaffee, kaufen Bücher und sehen sich ihre Lieblingsband an. Jamie denkt immer wieder, wenn jemand vorschlägt, sie in „Schichten“ zu beobachten, dass das, was sie tun, kein Business ist, sondern die Fragen und Anstrengungen, die bei der „Reise“ aufkamen, sich mit Unterstützung, Zusammenhalt und Liebe beantworten lassen.

Renee musste ihre Behandlung selbst bezahlen, für die sie weder ausreichend Geld, noch Kapazitäten hatte. Deshalb begann Jamie Tworkowski T-Shirts zu verkaufen, um von dem Erlös ihre Behandlung bezahlen zu können. Um dem Projekt eine Plattform zu geben, schrieb er Renees Geschichte auf, erstellte einen MySpace Account und veröffentlichte sie dort.

Was als kleine Aktion begann, um Renee zu helfen, wurde zur internationalen Thematisierung von Themen wie Mental Health, Sucht und Suizid. Große Musikbands kauften T-Shirts der Geschichte von Renee, die Jamie „To Write Love On Her Arms“ nannte und promoteten die Aktion und schafften Awareness. Über die MySpace Seite solidarisierten sich hunderttausende Menschen mit Renee, unterstützten sie und erzählten ihre eigene Geschichte, womit der Bann der Verschwiegenheit um Themen wie Selbstverletztendes Verhalten, Depressionen, Sucht und Suizid auch im Netz gebrochen wurde.

In diesem Zuge gründete Jamie Tworkowski 2006 die Non-Profit-Organisastion „To Write Love On Her Arms“.

 

We are only asked to love, to offer hope to the many hopeless. We don’t get to choose all the endings, but we are asked to play the rescuers. We won’t solve all mysteries and our hearts will certainly break in such a vulnerable life, but it is the best way. We were made to be lovers bold in broken places, pouring ourselves out again and again until we’re called home.

„To Write Love On Her Arms“ ist mehr als nur ein Buchtitel: Die Mission der Organisation, ebenso wie dessen Name, ist es, zu zeigen, dass das Leben besser werden kann. Dass jede Stimme es wert ist gehört zu werden, dass jeder die Möglichkeit haben soll, Therapie und Behandlung zu bekommen und dass Aufgeben nicht die Option ist, die man wählen sollte. TWLOHA möchte Hoffnung machen, informieren, Menschen ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Darüber hinaus spendet die Organisation große Summen eingenommenen Geldes an Hilfsorganisationen und Therapiezentren. Hier flossen insgesamt bereits 2 Millionen US-Dollar, die Kapazitäten erhöhen und mehr Chancen möglich machen sollen.

Um solche Summen zusammen zu bekommen bleibt TWLOHA in ihren Ursprüngen: Es werden noch immer T-Shirts verkauft, die auch international von Rockbands oder einzelnen Vertretern dieser getragen, die die Organisation finanziell unterstützen. Darüber hinaus können auch Accessoires gekauft oder direkt gespendet werden.

TWLOHA hat darüber hinaus einen Teil ihrer Website der Vermittlung von Menschen mit Suchtproblemen, Depressionen und Suizidgedanken, an Kliniken, Aufklärungszentren oder Selbsthilfegruppen gewidmet. Obwohl sie hauptsächlich auf die USA konzentriert ist, wird auch auf außerländische Behandlungsmöglichkeiten hingewiesen, auch für europäische Länder wie Schweden und das Vereinigte Königreich.

Um Stigmatisierung und Tabuisierung zu beenden und stattdessen einen offenen, verständnisvollen Umgang mit betroffenen Personen zu schaffen, ebenso aufzuklären und zu erläutern, wie man helfen und sich selbst helfen kann, besuchen Vereinsmitglieder immer wieder Universitäten und Schulen, in denen sie Vorträge halten. Auch in den sozialen Medien wird Mental Health immer wieder zum Thema: So wurde beispielsweise die Überdosis von Demi Lovato aufgegriffen und statt Anschuldigungen für Verständnis plädiert, dass Demi Lovato wie jeder andere Mensch, ob berühmt oder nicht, auch nur eines ist: Ein Mensch. Und ebenso wie jeder andere ist sie auch noch ein verletzlicher dazu.

Die Geschichte um Renee Yoho wurde auch in der Filmindustrie aufgegriffen und verfilmt: Kat Dennings spielt die junge Renee, die mit Musik und guten Freunden ihre Tage vor dem Entzug verbringt, ihr Leben als dieses wieder erkennt und Hoffnung schöpfen kann. Der Film spielte 3,4. Millionen Dollar ein. Auch neben Kat Dennings übernehmen bekannte Schauspieler wie Chad Michael Murray (One Tree Hill) oder auch Corbin Bleu (High School Musical) Rollen in dem Film.

Nicht nur, aber auch für den Film wurden diverse Lieder über das oder ähnliche Schicksale wie jenes von Renee Yohe vertont: So sang Skillet beispielsweise „The Last Night“ oder Helio „To Write Love On Her Arms“, in dem sogar ein wörtliches Zitat von Renee Yohe vorkam („The stars are always there but we miss them in the dirt and clouds. We miss them in the storms. Remember hope, remember hope, we have hope“).

Alle jene Lieder dienen vor allem dazu, Betroffenen zu zeigen, dass sie wieder allein sind, noch dass Suizid oder Sucht ihr letzter Ausweg ist, sondern mindestens ein Mensch hinter ihn steht. Auch heute noch unterstützen Mitglieder bekannter Bands wie Derek Sanders (Mayday Parade), Miley Cyrus, Amy Lee (Evanescene) und viele weitere.

John Cooper, Sänger von Skillet, sagte in einem Interview, dass er nicht damit gerechnet hätte, wie viele Fans mit Narben oder Ängsten danach an sie herantraten, sich bedankten und sich mit ihrem Lied identifizieren konnte.

Und genau deswegen ist es wichtig, dass darüber gesprochen wird.

 

„She hands me her last razor blade, tells me it is the one she used to cut her arm and her last lines of cocaine five nights before. She’s had it with her ever since, shares that tonight will be the hardest night and she shouldn’t have it. I hold it carefully, thank her and know instantly that this moment, this gift, will stay with me. It hits me to wonder if this great feeling is what Christ knows when we surrender our broken hearts, when we trade death for life.

As we arrive at the treatment center, she finishes: “The stars are always there but we miss them in the dirt and clouds. We miss them in the storms. Tell them to remember hope. We have hope.”“

 

Die Ignoranz, der Spott oder das Verlachen von psychischen Krankheiten ist keine Option mehr, das signalisiert TWLOHA. Es wird Zeit, darüber zu sprechen, auch öffentlich. Psychisch krank zu sein, ist weder eine Charakterschwäche, noch eine Wahl. Drogenabhängig, suizidal oder selbstverletzend zu sein, ebenso nicht. Nur so lange, wie die Menschen auf dieser Welt dafür sorgen, dass diese Themen besprochen, erklärt, ernst genommen und betroffene Personen unterstützt werden, kann sich etwas verändern. Nur so kann verhindert werden, dass Menschen an Überdosen sterben oder sich das Leben nehmen: In dem ihre Sorgen ernst genommen werden. Indem sie eine Stimme bekommen und erkennen, dass sie nicht alleine sind, dass es jemanden gibt, zu dem sie hingehen können und der ihnen beistehen wird.

Unterstützer der Organisation haben die Woche vom 10-17. September zur „To Write Love On Her Arms“ Woche erklärt, in der sie sich LOVE auf ihre Arme schreiben und damit Unterstützung und Liebe für Betroffene demonstrieren. Und auch, wenn wir vielleicht nur heute, am „Suicide Prevention Day“ LOVE sichtbar auf unseren Armen tragen, sollten wir das ganze Jahr nicht vergessen, dass es da draußen Menschen gibt, die nicht wissen, dass sie gebraucht, geliebt und vermisst werden würden, wenn sie gehen würden. Das sollte nicht nur in dieser Woche offenkundig werden: Sondern betroffenen Menschen sollte das ganze Jahr gezeigt werden, dass es Hilfe und Möglichkeiten gibt und dass sie ebenso Hoffnungen und Rechte auf ein gutes Leben haben wie jeder andere.

 

„I have learned so much in one week with one brave girl. She is alive now, in the patience and safety of rehab, covered in marks of madness but choosing to believe that God makes things new, that He meant hope and healing in the stars. She would ask you to remember.“

• Laura

 

 

 

 

Wenn ihr psychisch krank seid, drogen-/substanzabhängig, depressiv oder suizidal, habt keine Angst.
Sprecht jemanden an. Sucht professionelle Hilfe oder lasst euch dabei helfen.
Ihr habt Anspruch darauf und es hat absolut nichts mit Schwäche zu tun.
Euer Leben ist wertvoll und wird geschätzt.
Ihr könnt auch bei der Notfallseelsorge anrufen. Die Hotline ist 24/7 da
und auch für Suizid-Prävention geeignet.
0800 – 111 0 111 (ev.)
0800 – 111 0 222 (rk.)
0800 – 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)

 

Weitere Beiträge der #WSPD-Blogreihe:

WORLD SUICIDE PREVENTION DAY 2018 von BlueSiren
WSPD2018 – Buchvorstellung Veronika decides to die/Veronika beschließt zu sterben von LovelyMix
Kannst du einen Selbstmord verhindern? von Colored Cube
By the Time you read this, I’ll be dead/Julie Anne Peters von Flauschflocke
Hilfsangebote bei Depressionen von Buchstabenmagie

 

 

 

 

 

Quellen:
TWLOHA Mission
Renee Yohes Geschichte
To Write Love On Her Arms: Der Film einer wahren Begebenheit
Blogpost Demi Lovato
DE Wikipedia TWLOHA
EN Wikipedia TWLOHA
Helio – To Write Love On Her Arms
Skillet – The Last Night

 

7 Comments #WSPD: To Write Love On Her Arms

  1. Pingback: World Suicide Prevention Day 2018 • BlueSiren

  2. Babsi

    Hallo Laura,
    vielen Dank für diesen ausführlichen und schönen Beitrag.
    Die Zitate, die du ausgewählt hast, sind wunderschön und der Text macht Mut!

    Vielen vielen Dank, dass du bei dieser Aktion dabei bist. <3
    Viel Liebe,
    Babsi

  3. Pingback: Suizid in den Medien – ein Blick auf den Umgang mit Suizid in der (Pop)Kultur – Büchnerwald

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