skepsiswerke

Bücher / Laura

Wicker King – Kayla Ancrum

Inhalt: Jack und August sind Freunde seit ihrer Kindheit. Während August mehr an den Rändern hängt, ist Jack bliebt, ein Mädchenschwarm und Spitzensportler in der Schule. Zumindest ist er das, bevor er anfängt, Dinge zu sehen, Dinge, die August nicht sehen kann, und sich um ihn eine Welt aufbaut, die seine eigene immer weiter verdunkelt. August will ihn retten und ist bereit, alles dafür zu tun, auch wenn das bedeutet, dass er mit Jack in diese Welt gehen und in ihr gefangen sein muss.

Buch: Wicker King
Autor: Kayla Ancrum
Verlag: Dtv Verlag
Gebundenes Buch: 311 Seiten
Sprache: Deutsch
Preis: 16,95€

 

Wicker King habe ich mir am Erscheinungsdatum gekauft. Es war eines der Bücher, die ich bereits bei anderen Buchbloggern in Instastories sehen durfte, die bereits vorwarnten: Das Buch hätte eine Triggerwarning gebrauchen können.

Nachdem ich innerhalb kürzester Zeit das erste Drittel gelesen hatte und aufhören musste, konnte ich dem nur zustimmen. Wicker King hätte eindeutig eine Triggerwarning gebraucht, auch wenn es mir schwerfällt zu schreiben, an welchen Stellen mir das Buch so stark zusetzt. Während die Stimmung am Anfang des Buches für mich bereits schwer und düster erschienen ist – was vermutlich daran lag, dass es keine wirkliche „Erzählhandlung“ gab, sondern immer nur kurze Abschnitte, die beinahe etwas kapitelartiges hatten – wurde dies mit der Veränderung von Jack immer schlimmer. Wie viel dunkler Jacks Welt wurde, zeigte sich auch im Buch selbst: Desto weiter man voranschritt, desto dunkler wurden die Seiten.

Da die Szenen nicht immer direkt aufeinander aufbauten wurden Zwischenelemente wie Arztberichte oder Zettel, die Figuren (sich) schrieben und füllten Lücken, die geblieben waren.

Die Handlung zu beurteilen, fällt mir schwer, aber wahrscheinlich ist das größte „Kompliment“, dass man diesem Buch machen sollte: Es könnte echt sein. Weder August noch Jack haben Eltern, die sich um sie kümmern oder die bemerken könnten, in welchen Abgrund sie rutschen oder zumindest, dass eine Veränderung stattfindet. August, dem Jack alles bedeutet, ist bereit alles für ihn zu tun, alles, sodass irgendwann die Grenze zu „das ist zu viel“ nicht mehr existiert, auch wenn es bedeutet, dass er eventuell für diesen Zweck sterben muss. Es ist leicht vorstellbar, dass Menschen, die andere retten wollen, dabei sich selbst zerstören. Und im Falle von August war das für mich eine arge Selbstzerstörung, die ich noch nirgendwo so gelesen habe.

Weswegen ich hier mit dem Ende der Handlung fast ein bisschen unzufrieden war: Für mich war August nicht gesund, als er am Ende entlassen wurde, aber mir erschien das als suggeriert. Was passiert dann? Soll ich wirklich glauben, dass er damit leben kann? Es ist ein kleiner Punkt, aber ich hätte mir sehr viel deutlicher gewünscht, dass zumindest die Fortsetzung einer Therapie angesprochen worden wäre. Immerhin, und das wird am Ende ebenfalls erwähnt, ist [SPOILER] diese Welt für Jack nach der Operation verschwunden, während sie für August noch existiert. Zumindest ein Ausblick wäre hier bedeutsam gewesen, wenn die Geschichte schon „gut“ endet.

Gleiches gilt für mich auch bei Jack: Über ihn kommt, während sie in der Psychiatrie sind, nicht viel raus, aber wenn betrachtet wird, wie viel er gesehen und wie sehr auch er über diese Zeit hinweg gelitten hat, hätte ich mir gewünscht, dass hier mehr auf die mögliche Chance oder auch Nicht-Chance der beiden eingegangen worden wäre. Denn während August bereit ist, alles für Jack zu tun, hatte ich bei Jack während des Buches oftmals das Gefühl, dass ihm nicht klar genug war, was er von seinem Freund verlangt – So wie ich ihn einschätzte hätte der frühere Jack, auch als mehr oder minder „Draufgänger“ nie von August verlangt, sich zu ertränken oder sich anzuzünden. Das sind für mich zwei Geraden, an denen sich Schuld und Unzurechnungsfähigkeit, ganz klar, kreuzen, aber die mir zu wenig zwischen den beiden aufgegriffen wird.

Nichtsdestotrotz wäre zu betonen, und das liest sich wahrscheinlich bereits heraus, wie unfassbar gut und real die Figuren konzipiert waren. Neben Jack und August gab es immerhin noch die Zwillinge Roger und Peter, Rina, Alex und Gordie. Auch wenn nicht jeder der Figuren gleich viel Rampenlicht bekommen haben, haben sie für mich doch einen elementaren Teil des Buches ausgemacht: Dadurch dass sie nicht (kaum) direkt in das Geschehen involviert gewesen sind (die Welt des Wicker Kings), hat sich an ihnen besonders gut die Veränderung der Hauptfiguren gezeigt, es hat sich gezeigt, wie Jack und August den Anschluss verlieren, es wurde immer wieder betont, wie sich zum Beispiel August selbst vernachlässigte, weil er so mit Jack beschäftigt war. Und um Rina noch einmal extra zu erwähnen, sie nahm sogar in den Mund zu sagen, August sollte Jack loslassen, weil Jack und das was passiert weder normal, noch gut für ihn ist. Dass er Jack nicht heilen kann.

Die Nebenfiguren haben für mich ein wichtiges Nebenfeld gebildet, die den Hauptteil gut zu ergänzen wussten, auch wenn sie (außer vielleicht Rina) relativ wenig Bühne bekommen habe.

Noch eine Sache: Die Queerness im Buch. Ich für meinen Teil war sehr perplex, als am Ende tatsächlich herauskam, dass Jack und August ernsthaftere „Mehr“-Gefühle füreinander haben und Jack diese tatsächlich schon länger hatten. Natürlich waren da „Vibes“, aber ernsthaft damit gerechnet habe ich nicht.

Ich hab gehadert, wie ich das finde, bin dann aber doch zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich eine Stärke des Buches ist; Es wäre schwach und eindeutig nicht genug gewesen, die Beziehung von August und Jack auf Liebe zu reduzieren, weil sie viel, viel mehr als das ist und eine tatsächliche Liebesgeschichte in dem Buch der Geschichte sehr viel genommen hätte, was diese „ungeklärte“ Beziehung der Story gegeben hat. Hier wurde sich nicht sinnlos in Gefühlen verrannt, hier ging es darum, dass Jack psychisch krank ist und August ihn retten will. Und dass er, egal welche Beziehung sie haben, dabei scheitern wird.

 

Wicker King hat mir einige schlaflose Stunden beschert, aber ich möchte es doch jedem ans Herz legen. Dennoch will ich hier vorwarnen: Bitte überlegt euch vorher, ob ihr mit toxischen Beziehungsgefilden, Vernachlässigung, Beinahe-Suizid und der Verdrehung von Realität und „Traum“welt zurechtkommt.

 

Laura

 

TIEFE: 5/5

CHARAKTERE: 5/5

KONZEPTION: 3/5

GESAMT: 13/15

Kaufempfehlung: Wenn ihr hart im Nehmen seid: Unbedingt.

Leave A Comment