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Alltag / Laura

Warum man seine Fandomliebe teilen sollte

Freitagfrüh im Dezember, halb acht: Ich sitze mit meiner Chefin am Mitarbeitertisch und erwähne, dass ich furchtbar müde sei. Gestern Nacht bin ich noch in eine Spätvorstellung des neuen Star Wars Films gekommen „Die letzten Jedi“. Ich hätte den Film schon ewig gehyped und musste ihn an diesem Tag einfach sehen.

Ich erwarte gar nicht viel, aber da kommt von einer Sekunde zur nächsten dieses Strahlen auf ihr Gesicht, als sie anfängt über Star Wars zu reden: Star Wars sei einzigartig. Ihre absoluten Lieblingsfilme, bei jedem von ihnen war sie im Kino. Zuhause hat sie Star Wars Fanmerch zu liegen, die alten Filme findet sie besser als die neuen, den neuen Film muss sie auch unbedingt bald im Kino sehen. Ein tiefes Seufzen und die ganz großen Fangirlgefühle.

 

Photo by Ciprian Boiciuc on Unsplash

 

Aber wie oft haben wir das erlebt: Vor dir steht jemand an der Ampel und er/sie trägt den abgefahrendsten Harry Potter Rucksack, blau, weiß, schwarz, ein Adler darauf. Dieser Mensch ist auch ein Ravenclaw, genau wie du! Und dieser jemand trägt noch eine Kette mit den Heiligtümern des Todes.

Es liegt einem schon auf der Zunge, man will etwas sagen und dann … Und dann sagt man nichts, er/sie überquert die Straße und biegt ab. Und ist weg. Und man hat die Chance verpasst, jemandem ein großartiges Kompliment zu einem Accessoire zu geben, ihm eine Freude zu bereiten, weil du seinen Fanmerch und Liebe für das Fandom wertschätzt, und ebenso nimmt man sich die Möglichkeit zu einem kollektiven Harry-Potter-Ravenclaw-Fangirlausbruch.

Wie die Szenerie wohl ausgegangen wäre, hätten wir die Person angesprochen und ihr gesagt, was für einen unglaublich großartigen Rucksack sie hat, weil „Hey, ich bin auch ein Ravenclaw!“?

Wahrscheinlich wäre er/sie erstmal ziemlich perplex gewesen. Hätte geblinzelt. Und dann wäre es da auch gewesen (vielleicht ein bisschen nervös): Dieses breite Strahlen, weil jemand diesen Rucksack erkannt hätte. Ein dankeschön, wahrscheinlich. Dann noch, woher er/sie diesen Rucksack hat.

Vielleicht hätten sich unsere Wege an dieser Stelle wieder getrennt, aber wie anders wäre dieser Ausgang gewesen: Die Person mit dem coolen Rucksack hätte wahrscheinlich immer noch gelächelt, sich immer noch gefreut. Und wir auch, weil wir diesem Menschen eine Freude gemacht, einen Gleichgesinnten gefunden haben und damn, dieser Rucksack einfach.

Wir sollten uns öfter trauen, Menschen auf ihre Fandomshirts anzusprechen oder ihnen Komplimente dazu zu machen. Begeisterung ist etwas, das immer größer wird, desto mehr man es teilt. Und Menschen lieben es, über Dinge zu sprechen, die ihnen etwas bedeuten, selbst wenn es nur die Geschichte zu ihrem Fanartikel ist.

Es ist auch gar nicht zu leugnen: Ein bisschen hoffen wir doch alle, dass jemand dieses „Sherlocked“ auf unserem Shirt erkennt und ein Gespräch über Sherlock und Irene Adler anstößt. Wie cool wäre es, Gleichgesinnte auf der Straße zu treffen. Selbst wenn sie dir bei deinem Captain America-Shirt ein „Team Iron-Man“ zuraunen, kennen sie doch zumindest deinen Standpunkt zum Civil War. Und eventuell entwickelt sich ein Gespräch daraus.

Eventuell entwickelt sich etwas ganz, ganzes Großartiges daraus und es kann diskutiert werden, wie „böse“ Tony war, ob das „böse“ zu nennen ist und ob „bae (bucky-above-everything)“ wirklich eine Lebenseinstellung für Steve Rogers sein sollte, wenn sie die Avengers entzweit. Fandoms sind so gut, weil sie Netzwerke schaffen, die wir uns auch auf den Straßen öffnen können. Und damit eventuell auch mehr Menschen ermutigen, ihre Fandomliebe auch in die Welt zu tragen, wenn sie sich das vielleicht noch nicht trauen:

Immerhin sind sie auf keinen Fall allein damit.

• Laura

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