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Spider Man – Into The Spider Verse

Nach Toby McGuire, Andrew Garfield und zuletzt Tom Holland, die alle die rote Maske von Spider Man übergestreift haben und in die Rolle von Peter Parker geschlüpft sind, begegnen wir in „Spider Man – Into the Spider Verse“ Miles Morales, gesprochen von Shameik Moore, als die Vorstadtspinne in Brooklyn.
Ein weiterer Spider Man Film? Wird man nicht das Publikum langweilen? Jeder kennt bereits die Geschichte des Teenagers, der von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, die große Liebe findet, mit Herzblut die Welt rettet und dabei an der einen oder anderen Explosion in und um New York beteiligt ist und trotzdem mit dem Leben davonkommt.
Doch mit Sicherheit haben die Macher von „Spider Man – Into the Spider Verse“ die lang reichende Historie von Peter Parker im Hinterkopf gehabt: Denn „Spider Man – Into The Spider Verse“ macht vieles anders und damit vieles richtig. Damit lässt es die klassischen Superheldenfilme des MCUs beinahe etwas altbacken aussehen.

Spider Man – Into The Spider Verse. Bild von rottentomatoes.

Die Handlung

Miles Morales ist ein Teenager, hört gern laute Musik und steht auf’s Sprayen. In der neuen Eliteschule hat er noch nicht seinen Platz gefunden, spricht mit seinem Onkel über das Mädchen, das ihn interessiert und ist großer Spider Man Fan, der durch New York tingelt und dabei die Menschen beschützt.
Für Miles ändert sich alles, als er von einer radioaktiven Spinne gebissen wird. Er kann seine Kräfte nicht kontrollieren und Peter Parker, den er durch Zufall trifft, stirbt vor seinen Augen. Dass mit großer Kraft auch große Verantwortung kommt und Aufgeben deswegen nicht infrage kommt, lernt Miles, als er mit anderen Spider-Menschen – Spider Man aka Peter B. Parker, Spider Ham, Spider Gwen, Penny Parker und Spider Man Noir – aus anderen Universen zusammentrifft und sie gemeinsam gegen Kingpin kämpfen, um die Welt zu retten.

Beeindruckend und sich von den anderen Filmen unterscheidend, ist dass der Film ZuschauerInnen etwas zutraut. Nicht erneut wird in langen Filmminuten ausgerollt, wer, was und warum Spider Man eigentlich Spider Man ist. Es wird sich nicht um komplizierte Handlungsstränge geschert, einer so kompliziert mit anderen und unbekannten, kurz benannten Figuren verwoben. Der Film basiert auf einer verhältnismäßig einfachen Story, die in sich schlüssig ist und funktioniert. Sie hascht weder nach Spin-Off noch nach Fortsetzung, was sie erfrischend abgeschlossen sein lässt und sie von vielen Superheldenfilmen unterscheidet.

Der Film versäumt dabei jedoch nicht, facettenreich und anspruchsvoll zu sein; dabei nimmt der Film sich selbst nicht immer allzu ernst und erkennt dabei auch das relativ schnell durchschaubare Leben eines Superhelden an, der manchmal nur einen Hebel ziehen muss, um die alles entscheidende furchtbare Tat zu verhindern. Und bekanntermaßen gibt es in jeder Mission, die ein Spider Man ausführt, auch immer irgendein Dingens, was den Superhelden auf seiner Quest weiterbringt. Damit wird nicht nur das fulminante SuperheldInnen-Dasein entzaubert – auch wird die Botschaft des Films, dass jeder unter dieser Maske stecken könnte, viel deutlicher ins Zentrum gerückt. Denn auch Superhelden sitzen manchmal heulend in der Dusche, wenn sie gerade nicht die Welt retten.

Die Figuren

Wir lernen in „Spider Man – Into The Spider Verse“ nicht nur Miles kennen, sondern seine Counterparts aus anderen Universen. Und auch mit diesen hat es sich der Film nicht einfach gemacht, sondern sie vielseitig betrachtet: So unterscheidet sich beispielsweise Peter B. Parker deutlich von der strahlenden Version Spider Mans, die Miles aus seinem eigenen Universum kennt und vor seinen Augen stirbt. Er ist in die Jahre gekommen, hat einen leichten Bauchansatz, durchlebt seine eigenen Krisen nach der Trennung Mary-Janes und sieht seinem Superheldenleben mit einer gewissen Resignation entgegen.
Ihm gegenüber steht Gwen aka Spider Gwen, die für mich (neben Miles) die wichtigste Person in der Gruppe von Spider-Menschen gewesen ist. Im Gegensatz zu ausnahmslos allen Superheldinnen des aktuellen MCUs hat sie weder die Funktion einen Mann mit sich zu schmücken, noch hinter ihren anderen Teammitgliedern aufzuräumen. Um es einfach zu sagen: She kicks asses. She’s badass. Im Universum, aus dem Spider Gwen stammt, fragt keiner nach Spider Man, denn sie haben Spider Gwen und wer benötigt dann einen schillernden Helden? Die Repräsentation von Gwen als Superheldin halte ich für ungeheuer wichtig für den Film und etwas, wovon die Russo Brothers sich definitiv etwas abschauen können.
Miles als das Herzstück der Gruppe und als der Protagonist des Films ist hervorragend ausgearbeitet. Weg vom white boy in college im Gegensatz zu Tom Holland und endlich wirklich als Teenager dargestellt im Gegensatz zu Andrew Garfield und Toby McGuire als Peter Parker ist Miles Morales absolut authentisch in seinen Facetten. Der Film greift nicht nur seine Prozesse des Superhelden-Werdens auf, sondern auch seine Entwicklung als reifender Mensch, der heranwächst und nicht nur lernt mit Spinnennetzen zu schwingen, sondern auch die teils schwierige Kommunikation mit seinem Vater übt.

Mit Spider Ham, Penny Parker und Spider Man Noir erhalten wir in „Spider Man – Into The Spider Verse“ nicht nur eine satte Portion Humor, sondern auch einzigartige Atmosphäre und farbenfrohe Bilder, die seinesgleichen suchen.

Atmosphäre

„Spider Man – Into The Spider Verse“ besticht insbesondere durch seine gigantischen Bilder. Es handelt sich um einen Animationsfilm, aber damit ist insgesamt noch viel zu wenig gesagt: Die kontrastreichen Farben sind kombiniert mit verschiedenen Art Works. So erinnert der Film stellenweise an ein Pop Art, dann wiederum sehen wir Sprech- und Denkblasen Miles‘ wie frisch aus dem Comic auf den Screen gebracht, dann wieder sind Nahaufnahmen, so detail- und realitätsgetreu, dass es aussieht wie Fotorealismus.
Unterlegt werden die bunten und schnellen Bilder mit aktueller Hip-Hop-Musik. Diese geht damit nicht nur vom stereotypischen Radiogedüdel und von der tragischen Heldenmusik weg, sondern stellt noch Miles eigenen Musikgeschmack in den Vordergrund und macht es zu seinem eigenen Soundtrack.

Fazit

Absolut außergewöhnlich und hoch empfehlenswert sind wohl die besten Worte, um diesen Film zu beschreiben. Er besticht nicht nur inhaltlich durch Vielschichtigkeit in einer verhältnismäßig einfachen Story, sondern ist auch auf der Leinwand des Kinos beeindruckend anzusehen. Er verpasst nicht, Tiefe mit Humor, Figurenentwicklung, spannenden Bildern und guter Musik zu verbinden.

TIEFE: 4/5

CHARAKTERE: 5/5

STORY: 5/5

GESAMT: 14/15

Kaufempfehlung: Ihr sitzt immer noch hier? Geht ins Kino!

Alisha

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