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One Day At A Time – Guckt es!

[Disclaimer: diese Rezension enthält vereinzelte Spoiler zu der Serie. Es wird außerdem kurz über PTBS, insbesondere damit verbundene Panikattacken, gesprochen.]

Gestern habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ich mal wieder bei der zwölften Folge angekommen war. Wieso das auch immer so schnell passieren muss!

Dreizehn, etwa halbstündige Folgen hat ONE DAY AT A TIME pro Staffel. Drei gibt es davon inzwischen, allesamt bei Netflix verfügbar, und unbedingt sehenswert! Wieso? … Nun!

Worum geht es?

Die Sitcom ONE DAY AT A TIME rückt die kubanisch-amerikanische Alvarez Familie in den Fokus: die extravagante Großmutter Lydia, die gemeinsam mit ihrem bereits verstorbenen Ehemann aus Kuba nach Amerika kam, deren Tochter Penelope, die inzwischen als Krankenschwester arbeitet, nachdem sie in der amerikanischen Armee Militärsanitäterin war, und um die zwei Kinder, Elena und Alex. Im selben Gebäude mit ihnen wohnt auch der ihr Vermieter Schneider, der reich und privilegiert, wie er ist, auf den ersten Blick nicht viel mit Familie Alvarez gemeinsam hat, aber allein schon dadurch, wie gern er Teil dieser Familie wäre, ein Fixpunkt in ihren Leben wird.

Gemeinsam meistern sie die Hürden und Abgründe des Alltags. Einen Tag nach dem anderen.

Repräsentation, óle!

Wirklich großartig wird die Serie dadurch, wie sie in den Zwischenräumen der Charakterkonstellation eine ganze Reihe von wichtigen Themen anschneidet, diesen den Platz einräumt, der ihnen gebührt, sie nicht in Witzen ihrer Wirkung beraubt – und trotzdem lustig bleibt.

Als ein Blog, das sich einer diversen Repräsentation in den Unterhaltungsmedien verpflichtet hat, ist Skepsiswerke dahingehend vielleicht voreingenommen, aber sei es Elenas Beziehung mit Syd, einer nonbinären Person, die die Pronomen „they/them“ bevorzugt, sei es der Umgang mit Penelopes Posttraumatischer Belastungsstörung und der Therapie, in die sie sich begibt, seien es die Rassismuserfahrungen der Familie und Schneiders Prozess der Sensibilisierung für diese – die Serie behandelt jedes dieser Themen mit dem notwendigen Respekt, der notwendigen Tiefgründigkeit und trotzdem mit einer Leichtigkeit, die ganz klar auch eines kommuniziert: Geschichten etwa über psychische Gesundheit und die Themen der LGBTQ+ Community müssen keine Tragödien sein.

Die Kunst des Lustigseins

So sind wenige Szenen derart lustig wie die Selbsthilfegruppe, an der Penelope teilnimmt und in der sie ihre Sorgen bezüglich ihrer psychischen Gesundheit sowie bezüglich ihrer Familie mit anderen Veteraninnen teilt. Ein absolutes Highlight der dritten Staffel war für mich auch die Suche nach einem Begriff, mit dem Elena ihre Beziehung zu Syd bezeichnen kann, da „girlfriend“ sich aufgrund der weiblichen Konnotation nicht länger richtig anfühlte.

Bemerkenswert ist dabei vor allem dies: die Tatsache, dass ein Begriff gesucht wird, der „girlfriend“ ersetzt wird, wird nicht zur Punchline. Stattdessen beäumelt man sich über die verschiedenen Vorschläge, die von Syd, Elena, aber auch von Schneider und Penelope dazu angebracht werden. Gleiches gilt auch etwa für das Phänomen Panikattacke, das im Rahmen von Angsterkrankungen, Depressionen wie Posttraumatischer Belastungsstörung geöffnet wird. Wir lachen nicht über die Schreckensszenarien, die die Charaktere überfallen und zum Hyperventilieren bringen, sie in die Panik drängen – gelacht wird auch nicht über die Maßnahmen, die von anderen Figuren ergriffen werden, um die Panikattacken abzumildern, sondern bloß über die konkreten Ausprägungen: wie zum Beispiel den Pudel, der eine Perücke trägt, die ihn aussehen lässt, wie Dame Judi Dench. (Gemeint ist: das konkrete Bild dieses Pudels; nicht die Tatsache, dass dieses Bild die jeweilige Figur wieder erden kann.)

Der Zauber der Alltäglichkeit

Aber auch jenseits aktueller gesellschaftlicher Fragen widmet sich One Day At A Time der alltäglichen Menschlichkeit dieser Familie mit einer Hingabe, die für mich gerade in Sit-Com-Kategorien einmalig ist: sei es das Erlangen des Führerschein der Tochter, sei es das Instagram-Verhalten des Sohnes, sei es die berufliche Weiterbildung der Mutter, neben einem Vollzeitjob und ohne Unterstützung durch den Vater – oder sei es die Frage danach, wie man mit dem Älterwerden der eigenen Mutter und der plötzlichen Möglichkeit ihres Versterbens umgeht.

Ich kann diese Serie nur wärmstens empfehlen. Jedem. Auch ohne sich über eines der erwähnten Themen (oder eines der vielen anderen Themen, die die Serie ebenfalls behandelt) informieren zu wollen, wächst einem diese Familie so schnell ans Herz, dass man gar nicht anders kann, als sie durch ihre Tage verfolgen zu wollen. Hin und wieder führt das auch zu Tränen, zumindest wenn man auf einem ähnlichen Empathie-Level schwirrt wie ich (und viele andere Freundinnen, mit denen ich über diese Serie bereits gesprochen haben): authentische, weil alltägliche Geschichten, wie One Day At A Time sie erzählt, ungeschönt und unpathetisch, sind mit unter dafür bekannt, einem auch mal das Herz aus der Brust zu reißen.

Aber allen Tränen zum Trotz bleibt vor allem eins: das Entsetzen, wenn man Folge 12 erreicht hat und nur noch eine übrig bleibt, bevor man wieder warten muss.

Damit dieses Warten sich auch nach der dritten Staffel noch lohnt, sei euch das Reingucken besonders ans Herzen gelegt: ob die vierte Staffel produziert werden kann, hängt nämlich davon ab, wie viele Zuschauer die dritte Staffel für sich gewinnen kann. Probiert es mal.

Ich wünsche euch viel Spaß mit Familie Alvarez, ONE DAY AT A TIME und einen schönen Sonntag.

Kira

2 Comments One Day At A Time – Guckt es!

  1. Jenny

    Ach wie ich einfach bei jedem Wort zustimmen möchte! Ich liebe liebe liebe diese Serie schon nach nur 6 Folgen und bin so froh, dass sie mir in die Timeline gespült wurde! Bisher hatte ich noch nicht von ihr gehört, aber jetzt möchte ich sie gar nicht mehr vermissen!

    Liebste Grüße
    Jenny (ehem. Bücherpanda)

    PS. Ich würde mich freuen wenn ihr mir auch auf meiner neuen Seite folgen würdet, da ich wieder bei Null anfange )

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