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Gesellschaft / Laura

Internationaler Frauentag – Wofür?

Am 08. März war, wie jedes Jahr, internationaler Frauentag. Und wie jedes Jahr gab es – zumindest hier bei uns in Berlin – großes Geschrei, um diesen Feiertag. Denn Frauen bekommen diesen Feiertag, es gibt diesen internationalen Feiertag, den „Frauentag“; Wo ist denn da der für Männer abgeblieben?
Ich hab bei solchen Kommentaren geschwiegen und den Kopf geschüttelt, einen verärgerten Mann zurückgelassen, weil „Provokationen nicht mehr so funktionieren wie früher“, aber hab in anderen Fällen auch aufgeklärt, warum es wichtig ist. Also werfe ich hier die Frage in den Raum: Warum gibt es diesen Internationalen Frauentag? Warum ist er wichtig?

Was ist der Internationale Frauentag nicht

Newsflash! Internationaler Frauentag ist kein zweiter Valentinstag! Ihr braucht euren Frauen jetzt nicht plötzlich anfangen Geschenke zu machen, sie mit Blumen zu überhäufen – weswegen ich kein Freund von dieser Blumenschenkerei an jeder Straßenecke bin – wenn euch die Änderung des Systems sonst nicht interessiert. Steckt euch die Schokolade sonst wohin, wenn ihr nicht dafür einspringt, dass Frauen gleich bezahlt werden, dass Gewalt gegen Frauen aufhört, dass das Patriachart der Vergangenheit angehört.

Punkt Nummer zwei: Internationaler Frauentag war in Berlin frei, aber Frauen haben nie frei bei dem Kampf um ihre Rechte. Ein paar von uns mussten nicht arbeiten gehen, aber trotzdem werden wir weltweit unterdrückt, benachteiligt, sexualisiert und diskriminiert. Alles, was Frauen an diesem Tag feiern sind andere Frauen, die ihnen den Weg zu dem Punkt geebnet haben, an dem sie jetzt sind: Viele von uns dürfen, Dank vieler Feministinnen vor uns, endlich wählen gehen, ihre Meinung erheben und sich öffentlich wehren. Fakt ist, dass „viele“ von uns nicht alle sind. Und dass Frauen, besonders marginalisierte Transfrauen, (B)Poc-Frauen, Frauen verschiedenster Religionen und und und bis heute auf’s Stärkste regelmäßiger Gewalt ausgesetzt sind.

Was ist der Internationale Frauentag dann?

Vielleicht zum Verständnis: Der Internationale Frauentag wird auch Frauenkampftag genannt. Nicht nur am Weltfrauentag kämpfen wir für unsere Rechte, aber hier begannen große Schritte für eine Gleichberechtigung.

Der erste Frauenkampftag wurde 1909 in den USA umgesetzt, wo sich für das Frauenwahlrecht eingesetzt wurde. Dieser wurde in den folgenden Jahren fortgeführt und mit nach Europa gebracht. Das Datum änderte sich über einen langen Zeitraum immer wieder, aber Forderung der Demonstrationen war immer das gleiche, geheime Wahlrecht für Frauen. Tragende Figuren in Deutschland waren hier Rosa Luxemburg und Clara Zetkin, die „keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“ forderte.

1911 gingen dann Millionen Menschen in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz auf die Straße, um zu protestieren. Tatsächlich durften Frauen dann ab 1918 wählen in Deutschland (in der Schweiz (Achtung, haltet euch fest) erst sei 1971).

Auch heute gegen die Proteste weiter, denn auch wenn Frauen in Deutschland und in Europa weitestgehend gleichberechtigt bei der Wahl sind und gleich vor dem Gesetz, betrifft das zum Einen nicht alle Frauen auf der Welt und zum anderen werden wir in vielen Bereichen immer noch benachteiligt.

Warum der Internationale Frauentag wichtig ist

Das Patriachart untergräbt Gleichberechtigung. Auch wenn oft der Bequemlichkeit halber über eine „Gleichberechtigung“ von Frauen in der Gesellschaft gesprochen wird, werden 99% aller Frauen dieser These Einhalt gebieten können. Fakt ist, dass Frauen in Deutschland, in denen sie vor dem Gesetz zwar gleich sind immer noch 21 Prozent schlechter bezahlt werden als Männer, trotz gleicher Arbeit. Die Chance einen Job zu finden sind für eine Frau geringer, da sich Chefs bis heute und trotz unerfüllter Frauenquote noch immer eher für den männlichen Bewerber entscheiden. Vorwurf: Frauen könnten schwanger werden und verlieren damit schnell ihren „Wert“ für den Arbeitgeber, Frauen sind zu emotional, zu unkontrollierbar.

Jede vierte Frau wird Opfer sexueller Belästigung an ihrem Arbeitsplatz, Opfer häuslicher Gewalt sind zu 82 Prozent Frauen, jede vierte Frau wird Opfer häuslicher Gewalt. Beinahe 100 Prozent Frauen sind Opfer sexueller Nötigung und Vergewaltigung in Partnerschaften. Jeden Tag versucht ein Mann, seine Frau zu töten, jeden dritten Tag funktioniert es.
Und das sind alles nur Zahlen die für Europa und Deutschland zu treffen.

In Saudi-Arabien, Pakistan, Uganda, Afghanistan und vielen weiteren Ländern dürfen Frauen bis heute nicht wählen beziehungsweise von der Wahl ausgeschlossen werden.

In vielen Ländern südlich der Sahara bekommen Frauen selten die Gelegenheit und den Zugang zu Bildung oder der Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ebenfalls werden in diesem Teil der Welt Frauen noch sehr oft Opfer häuslicher Gewalt, die aufgrund der ungleichen Gesetzeslage nicht zur Anklage gebracht wird – Was dazu führt, dass Frauen ohne Bildung und Möglichkeiten, Geld zu verdienen, abhängig von ihren gewalttätigen Partnern sind. Darüber hinaus werden auf der Welt alle sieben Sekunden junge Mädchen zwangsverheiratet.

Die Liste der Dinge, die Frauen jeden Tag angetan werden, ist lang und an dieser Stelle noch lange nicht beendet. Alle, die glauben, dass Frauen kämpfen, weil sie jeden Tag Bock drauf haben, Leute zusammenzukacken, die sexistisch den Mund aufmachen, irren sich. Frauen kämpfen für Frauenrechte, damit dieser Kampf endlich aufhören kann.

Was können wir tun

Gebt Frauen eine Stimme, lasst sie reden, sorgt dafür, dass sie gehört werden. Damit sind nicht nur cis-hetero-Frauen gemeint, sondern ebenso Transfrauen, Nonbinary Frauen, Genderfluide Frauen und und und.

Wenn es ihre Idee war, ihr Gedanke, ihre Meinung, dann gebt das gefälligst auch so wieder. Ich hab genug davon, dass Männer das was Frauen gesagt haben, kopieren und genauso wieder ausspucken, um dann als Experten dazustehen.

Hört zu. Hört euch die Erfahrungen von Frauen an, hört euch ihre Kritik an und ihr werdet etwas daraus mitnehmen. Frauen werden seit Jahren strukturell unterdrückt und diskriminiert. Dass wir jahrelang für das Recht kämpfen mussten, überhaupt in der Politik mitsprechen zu dürfen, ist nur ein Beispiel dafür.

Wählt Frauen. Wenn ihr die Wahl zwischen dem nächsten White Cis-Dude habt und einer (BPOC) Frau, wählt die Frau. Ich kann euch eine Versicherung darauf abgeben, dass sie einen besseren, weitreichenderen Blick auf viele Dinge hat, als jemand, der in seinem Leben nie mit Problemen wie Sexismus oder Diskriminierung anderer Art zu kämpfen hatte. Dabei rede ich vom Job, von der Freundschaft, von der Politik.

Hört auf, Frauen zu shamen, egal wofür – Trägt sie Make-Up, trägt sie keins, ist sie Sexarbeiterin, ist sie Mutter und zu Hause, ist sie Mutter und arbeiten, möchte sie keine Kinder, hat sie Sex, hat sie keinen Sex, this needs to stop. Drehen wir den Spieß um, wenn euch die Privilegien von Männern nicht bewusst sind: Wenn ein Mann sexuell aktiv ist, wird ihm gesagt, was für ein toller Typ er ist. Wartet er mit dem Sex, wartet er auf den/die Richtige/n. Passt er auf die Kinder auf, ist er ein Supervater, geht er arbeiten, ist er das tolle Familienoberhaupt, dass die Familie über Wasser hält.

Merkt ihr etwas dabei? Denn das solltet ihr.

Callt misogyne Redearten out. Stoppt misogynes Verhalten. Stoppt toxische Männlichkeit. Stoppt Sexualisierung von Frauen. Macht auf Ungerechtigkeiten aufmerksam. Fragt öffentlich, wie viel die Frauen in Unternehmen verdienen – verdienen sie weniger als Männer, geht. Macht den Mund auf – zu viele Frauen haben keine Wahl und für sie müssen wir mitsprechen. Dass wir die Möglichkeit haben, zu tun, was wir tun, verdanken wir vielen Frauen vor uns, die für uns gesprochen haben.

Das Gleiche sollten wir für unsere Zukunft tun.

• Laura

Quellen: • Jeden Tag versucht ein Mann, seine Frau zu töten
In welchen Ländern haben Frauen kein Wahlrecht?
Der Blinde Fleck von Me too
Häusliche Gewalt, BMFSFJ
Liste der […]gefährlichsten Länder der Welt für Mädchen
Jede Vierte wird bei der Arbeit sexuell belästigt
Internationaler Frauentag: Was wird da eigentlich gefeiert?
Wie hoch ist die Gender Pay Gap wirklich?
Internationaler Frauentag
• Bild von chloe simpson on Unsplash

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