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Alltag / Kira

Gefeierte Fankultur: Monsta X in Berlin; ein Konzertbericht!

Sie tanzen bereits, als wir uns anderthalb Stunden, bevor sich die Türen öffnen, in die Schlange stellen. Random Dance Game heißt das, wenn K-Pop-Fans zu all den Lieder in die Mitte des Kreises springen, deren Choreo sie performen können – und unter staunendem Jubel bewundern wir sie dafür. Dass K-Pop längst nicht nur ein Oberbegriff für südkoreanische Popmusik ist, sondern in der Fusion von verschiedensten Genres, Performances und Konzeptionierungen einem Gesamtkunstwerk gleicht, dem keine dieser Komponenten fehlen darf, ist nicht länger graue Theorie. Gelebte, viel mehr noch: gefeierte Fankultur gehört spürbar in den Reigen dieser Komponenten, die abrunden, aber nicht limitieren, was Monsta X mit ihrem Auftritt auf die Bühne zu bringen verspricht.

Die Schlange vor der Mercedenz-Benz-Arena in Berlin besteht, so weit das Auge reicht, aus Monbebe in ihrer Konzert-Attire: von T-Shirts mit der ganz eigenen Meme Compilation bis hin zum offiziellen Merch, von Regenbogen-Make-Up über selbstdesignten Kopfschmuck. Eins ist klar: das Fandom steht der Group in Sachen Humor, Talent und Schönheit in nichts nach. Es ist bunt und es hat Bock. Denn trotz der Hitze hängt vor allem eins in der Luft: Vorfreude.

Und die macht Lärm, wann immer die Gesichter Monsta Xs über die Bildschirme flackern – ganz egal, ob Teenager in Begleitung von Eltern, ob Teenies inmitten von Freundesgruppen, ob Nicht-Mehr-Teenies, ob Internetfreundschaften, ob Fanboys, für die hier genauso Platz ist wie für die Fangirls, auf die an allen anderen Orten so abschätzig herabgeblickt wird: wenn Monsta X per Bravo ein Shout Out an ihre Monbebes schickt, grüßen wir zurück!

Zwei Stunden vor Konzertbeginn öffnen sich die Türen. Zwischen den Dadjokes der Monbebes um uns herum (das Hightlight war statt dem Bildschirmschoner der Bildschirmshownu) und dem Blick auf die Uhr (»Erst drei Minuten vergangen, ich sterbe!«) sorgt ein netter Koreaner für Stimmung, der es sich in den Oberrängen bequem macht und lang genug für ein Bandmember gehalten wird, um zurückzuwinken und kreischend zu lockern, was gelockert werden muss, damit losgehen kann, worauf alle ungeduldig warten.

날 위해 shoot out shoot out shoot out!

Pünktlich springt sie an – die erste Videosequenz, die nicht nur in das Konzert, sondern auch in das Albumkonzept einführt, das Monsta X in diesem Sommer auf Worldtour schickt: mit Take2: WE ARE HERE und dem Title-Track ALLIGATOR widmet sich Monsta X den sieben Todsünden und was hier über den Bildschirm flimmert, beweist es: die Atmosphäre kontrollieren und sich ihren Fans tief tief tief unter die Haut brennen, darauf verstehen sich Shownu, Wonho, Minhyuk, Kihyun, Hyungwon, Jooheony & IM bestens.

Dass sie mit SHOOT OUT beginnen, wo doch Take1: ARE YOU THERE? unser erstes Monsta X-Comeback war, reiht sich in komische Fügungen ein, an die wir glauben wollen – und unabhängig davon, wann und wo die anderen Monbebes die Band kennengelernt haben, 2015 bei ihrem Debüt, rund um ihren internationalem Erfolg mit JEALOUSY oder erst mit Take2: WE ARE HERE, wir brüllen ihnen alle entgegen, dass wir heute Abend genauso sehr für sie hier sind wie für uns – dass sie mehr sind als bloß eine Band unter vielen. Dieser Abend, der bedeutet den Anwesenden alles und das spürt man.

Man spürt es, als sie HERO, JEALOUSY und TRESPASS performen. Als sie mit uns das neuste Album feiern, mit PARTY TIME, PLAY IT COOL & später NO REASON. Als wir Skincare Tipps von Minhyuk, Workout Tipps von Wonho, Styling Tipps von Hyungwon, einen Kochkurs von Kihyun, Englischunterricht von IM, ein ASMR-Mukbang von Shownu und ein Honey-to (Honey + Burrito) Rezept von Jooheon bekommen.

Man spürt es, als die Unit-Stages kommen – als Minhyuk, Kihyun und Hyungwon ihren Monbebes das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, als Shownu und Wonho uns mit ihrer gespiegelten Performance in ihren Bann schlagen, als Jooheon am Schlagzeug die Crowd auf Weisen aufpeitscht, die uns danach durch den Rest des Abends tragen.

Dass in Deutschland zum zweiten Mal überhaupt und zum ersten Mal außerhalb von Korea das Flippen der Wasserflasche klappt, steckt den Rest der 삼박자-Performance in Brand und trägt nur dazu bei, dass Monbebe Monsta X echte Konkurrenz wird, als es darum geht, wer von uns härter feiern und dabei mehr Spaß haben kann. Dort, wo wir stehen, ist es plötzlich, als hätte die Menge um uns herum ihren ganz eigenen, aber gemeinsamen Puls und wir betrinken uns am Leben um uns herum.

Aber selbstverständlich wäre es zu leicht, wäre Monsta X nur das: Krass und intensiv und explosiv genug, um uns das Blut in den Adern kochen zu lassen. Selbstverständlich wäre das zu viel des Gefängnisses aus dem zweiten Konzeptvideo – Hyungwons Stolz, IMs Neid, Kihyuns Einsamkeit, Jooheons Gier, Wonhos Trägheit, Shownus Zorn, Minhyuks Qual – zu viel des Einen, zu wenig des Anderen. Zu viel Limit in der Grenzenlosigkeit, für die nicht nur das X in Monsta Xs Namen steht.

Ist nicht so, als würden wir Monbebes es vergessen, aber die Erinnerung daran haben die Jungs uns trotzdem mitgebracht: HONESTLY, 널하다, WHITE SUGAR. Auch: MYSELF. Zuckersüß wurde es da, von Emojis untermalt, aber vor allem ehrlich – und hat man in die Gesichter derjenigen geblickt, die schwierige Zeiten mit der Musik der Jungs, mit ihren Videos, mit ihren Selfies, mit ihrer harten Arbeit durchgestanden haben, dann hat man gesehen, wie synchron die Herzen der Band mit denen der Fans geschlagen haben. Tränen der Rührung, Tränen der Erleichterung, Tränen der Dankbarkeit – Tränen der Liebe und zwischendrin Freundinnen, die sich in den Armen halten, genauso wie Väter, die im Vertrauen ihrer Töchter so hoch stehen, dass die sich an ihnen festhalten, wenn ihre Gefühle sie davon reißen wollen. Wem die Jungs das Herz noch nicht aufgesprengt hatten, den erwischte jetzt Monbebe.

Was kann man mehr wollen?

Wenn es nach Monsta X geht, noch ein bisschen Feuer, noch ein bisschen Party, noch ein bisschen feiern, dass uns das Leben zusammengeführt hat. Was wäre immerhin ein Monsta X Konzert, ohne dass sie uns daran erinnern, dass wir special bebes sind? Kurzer Exkurs in die magische Wirkung von Monsta X Songs gefällig?

Exkurs: Monsta X als Confidence Boost

Na, aber klar.

Kopfhörer auf, Monsta X an, und der Confidence Boost ist euer. Der Kopf wird direkt höher getragen, die Dudes (und Dudettes), die euch entgegenkommen, können ruhig auch euch mal aus dem Weg gehen, und jeder eurer Schritte vermittelt das Gefühl, dass ihr mindestens eine Mission habt und mehr als qualifiziert seid, sie nicht nur zu meistern, sondern zu rocken.

Mit welchem Track ihr euer Selbstbewusstsein steigert, ist natürlich euch überlassen, aber zumindest für mich sind SPECIAL, HERO, TRESPASS, ALLIGATOR & neuerdings auch X-PHENOMENON zuverlässige Go-Tos.

Hello, I’m an alli-alligator…

Zurück zum Konzert – während wir Monsta X bei DRAMARAMA, FALLIN & auch OH MY einheizen, ist das eigentliche Highlight, auf das das gesamte Konzert ausgerichtet ist, selbstverständlich die Performance des aktuellen Titelsongs: ALLIGATOR. Und ganz egal, wie oft man das Musikvideo schon gesehen hatte, ob man es gestreamt hat, als es neu rauskam oder bloß immer wieder dahin zurückkehrte: live und in Farbe, einem selbst so viel näher, als man zu hoffen gewagt hat, klatscht die Performance nochmal anders.

Von Hello, I’m an Alli-Alligator bis hin zum Sumpf, in den wir uns gegenseitig zerren: vor dem Hintergrund der VCRs hängt man an jedem Move – und auf Twitter wurde es wieder und wieder gesagt, nicht zuletzt auch von uns: dieses Lied hat wieder einmal klar gemacht, dass Monsta X keine Dance Line braucht. Sie sind alle begnadet und vor allem sind sie alle ihrem Traum verschworen, ihrem Tanz, ihrem Gesang, ihrem Rap. Da gibt es niemand, der mitgeschleppt wird, alle, alle, alle katapultieren Monsta X bloß nach vorn.

Und wir wollten noch ein bisschen mit ihnen fliegen.

Als auf der Bühne nämlich plötzlich die Lichter ausgehen und wir wieder vor allem einander sehen, ist das Erwachen bitter. Bitte, noch nicht. Gleich stellen wir uns unseren Leben wieder, gern auch mit aufgeladenen Akkus, gern mit neuer Motivation, mit anderer Ambition – inspiriert zu neuer Größe, zu neuen Confidence Level, inspiriert zu neuer Kreativität! Aber vorher noch ein bisschen Monsta X? Bitte?

Bitte im Konzert-Slang heißt natürlich Skandieren. MON-STA-X. MON-STA-X. MON-STA-X. Und all das, während ein paar Bühnentechniker ein bisschen gehetzt über die Bühne eilen und dafür sorgen, dass sich die Zugabe auch sehen lassen kann. Eingeleitet wird die von DJ H.ONE, und gemeinsam mit dem Beat lässt die Dankbarkeit unsere Magenwände schwingen, also feiern wir mit ihm. Also feiern wir mit ihnen allen, als sie zurückkommen.

Wir turnen es up tonight, burnen es up tonight, jumpen es up tonight – mit RODEO & allem, allem, allem, was unsere Körper nach drei Stunden Monsta X noch hergeben. Und als sie mehr nicht mehr hergeben wollen, legen Hyunwoo, Hoseok, Minhyuk, Kihyun, Hyungwon, Jooheon & Changkyun noch einen drauf (an diesem Punkt des Konzertes hatten Stagesnames nichts mehr verloren). BY MY SIDE geht über in Ending Statements, wir bekommen das Versprechen auf ein Wiedersehen, Hyunwoo liebt uns und Hoseok hat eine gesamte Rede auf Englisch auswendig gelernt, die seine Hingabe auf eine Weise verrät, die uns allen ins Herz geht – und ihren Tribut in Form von Tränen und Jubel fordert. Die Luft schimmert in der Farbe unserer Liebe. Ganz besonders, als Changkyun uns auf Deutsch dankt.

Selbst im Vergleich mit allen anderen Noten dieses musikalisch fantastischen Abends – das ist die Beste, um auf ihr zu enden. Und so, viel zu schnell, geht es zu Ende, aber wir gehen nicht mit dem Gefühl, dass irgendetwas fehlt.

Klar, die Füße schmerzen und der Rücken protestiert, aber überall um uns herum sind Monbebes euphorisiert von dem Geschenk dieser letzten Stunden. Der Platz, den vorhin noch wir Monbebes füllten, hält jetzt kleine, lichtbestrahlte Springbrunnen für uns bereit. Ein paar Glückliche bekommen die Chance auf ein High-Touch, aber die meisten von uns tragen in ihr Bett oder wenigstens unter den Sternenhimmel, was da in ihnen an den richtigen Platz gerückt wurde, was bejubelt und gefeiert und geatmet wurde und von jetzt an alle folgenden Tage etwas heller strahlen lässt.

Denn selbst, wenn der Alltag wieder greift und die Routine uns zurückhat und alles ein bisschen weniger magisch ist, denken wir zurück, suchen auf Twitter und Youtube Fancams raus, und wissen:

Wir waren dabei. Und wenn alles andere geht, das bleibt.

Berlin, 13. Juli 2019, WE ARE HERE.

Man, Monsta X?

Es war uns eine Ehre.

Bis zum nächsten Mal,

Monbebe. ♥

2 Comments Gefeierte Fankultur: Monsta X in Berlin; ein Konzertbericht!

  1. Sophie Woitalla

    Das ist echt wunderschön beschrieben und geschrieben. Bringt mich zurück zum 13.07 als ich für Monsta X Konzert etxra nach Berlin gereist bin. Der Abend mit MX & Monbebes war magisch. Mir kamen sogar die Tränen, auch beim Lesen.

    1. skepsiswerke

      Man, das freut mich riesig – dass der Rückblick dich an den Abend zurückbringen konnte & dich so sehr gerührt hat!
      Mich ergreifts auch jedes Mal aufs Neue, wenn ich an den Abend denke. Was für ein Erlebnis!
      Hoffe, du hast eine tolle Woche!
      Liebe Grüße,
      Kira!

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