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Kira / Litcamp

Ein bunter Strauß Erinnerungen – Skepsiswerke auf dem #Litcamp18

Die Leute, mit denen ich die Twitter-Timeline teilte, während die Vorfreude auf das #litcamp18 in uns hochkochte, wissen, was ich meine, wenn ich sage: das Internet versteht sich bestens auf Hypes.

Vor diesem Jahr war ich noch nie auf dem Litcamp Heidelberg und wenn ich auch gewollt hätte, dass das bedeutet, dass ich unvoreingenommen auf diese Veranstaltung gehe: keine Chance. Das Internet und insbesondere die Autoren-Buchblogger-Community auf Twitter hat beschlossen: das Litcamp Heidelberg ist das Highlight des Jahres.

Vergiss Weihnachten. Vergiss deinen Geburtstag.

Das Litcamp Heidelberg. Nur das. Daran werden Momente gemessen.

Und was soll ich sagen? Die armen Momente. Mit einer Messlatte, die derart hochgelegt wurde, hat der Alltag sich in eine ganze schöne Bringschuld manövriert. Da mitzuhalten? Holla, die Waldfee. Das muss man erstmal schaffen.

Begonnen hat das Litcamp für mich erst am Freitagabend, aber Ali & Laura waren schon ab Freitagmittag vor Ort. Richtiges Programm gab’s da noch nicht, immerhin fing die Veranstaltung erst am Samstag offiziell an. Was es aber sehr wohl gab, waren viele liebe Menschen, die es zu treffen galt. Am Nachmittag haben sie sogar beim Aufbau des Litcamps im Dezernat 16 geholfen. Unter anderem das ausgetüftelte Farbleitsystem haben wir den beiden zu verdanken, was bei ihnen zwar an den nächsten Tagen für Muskelkater sorgte, aber für mich auch bedeutete, dass meine Begleitung den Weg in sämtliche Veranstaltungsräume in- und auswendig kannte. Geheimtipp also für alle, die eine ähnlich gut ausgeprägte Orientierung haben wie ich? Helft beim Aufbau mit, dann wisst ihr im Getümmel immer wohin!

Kaum, dass ich den Weg nach Heidelberg aber auch gefunden hatte, machten wir uns auf ins Hotel der beiden. Als Litcamp-Neulinge planten wir seit Monaten, eine Session zu halten. Weil es immer wieder Thema auf Twitter war und es dann auf allen Seiten die Gemüter hochkochen ließ, für uns als Autorinnen aber in der Selbstreflexion unserer Arbeit unausweichlich schien, wollten wir mit euch über die Repräsentation marginalisierter Gruppen in der Literatur sprechen. Haben wir auch, dazu aber später mehr. Zunächst trafen wir uns in diesem Hotelzimmer und haben unsere einzelnen Redeteile miteinander abgeglichen.

Und was hat sich herausgestellt? Dass wir alle nicht sonderlich gut darin sind, uns kurz zu fassen. Denn auch bei uns kochten die Gemüter hoch und das führt nicht nur zum hundertzehnten Beispiel, das wir einbrachten, um unsere Punkte zu verdeutlichen, es führte vor allem zu einer gewissen Panik, als unser Timer uns darauf hinwies, dass wir unsere 30 Minuten längst überschritten hatten. Dabei hatten diejenigen, die die Session hielten, doch nur genau diese 30 Minuten, um Input anzubringen, damit die restlichen 15 Minuten der 45-Minuten-Session zur Diskussion genutzt werden konnten. Zwischen Lachen und dem Staunen über die zungenbrechenden Satzgefüge, die wir zusammengetippt hatten, haben wir also gekürzt, gekürzt, gekürzt.

Litcamp-Neulinge halt. Rückblickend irgendwie niedlich.

Um Mitternacht schlich ich mich dann in mein eigenes Hotelzimmer. In drei der vier Betten wurde schon geschlummert, also bemühte ich mich darum, so leise wie möglich zu sein, als ich in mein Hochbett kletterte und die wunderbare Nostalgie einer Klassenfahrt mich … wach hielt.

Gefühlt hatte ich am Ende der Nacht vielleicht zwei Stunden geschlafen. Jedenfalls stand ich um zwanzig vor fünf auf und ging duschen, weil an Schlaf nicht mehr zu denken war. Während meine Zimmergenossinnen noch ein wenig weiterschliefen, las ich mein Buch zu Ende, schrieb Karteikarten und hoffte auf einen Föhn in den Koffern der anderen, damit ich das Vergessen meines eigenen kompensieren konnte.

Zwei Stunden später löste die großartige Saskia (@whoiskafka) das Problem und während sie & Anabelle (@stehlblueten) schon zum Unterstützung des Teams losdüsten, führte ich das erste von vielen tollen Gesprächen an diesem Tag mit Steffi (@Stef_Walther) – von Schreibprojekten über berufliche Neuorientierung hin zu der Stigmatisierung von Introvertierten war alles dabei und ich damit bestens eingestimmt auf den Litcamp-Samstag.

Als es endlich Zeit für uns war, auch zu Frühstück und Anmeldung aufzubrechen, stolperte ich über eine Kondom-Werbung, die passender Weise an eine Litfaßsäule direkt um die Ecke geklebt war: Wenn aus online offline wird. Kurzerhand auf Instagram geteilt und schon in die ersten Litcampler reingestolpert. Allen wurde natürlich ausgiebig Hallo gesagt und entsprechend auch schnell geklärt, wer denn so vorhatte, Sessions zu halten. Dann klaute man sich ein Brot und eine bisschen der wunderbaren Marmelade von den schon voll besetzten Frühstückstischen, trank den ersten Slushie des Tages und erwartete die Eröffnung der Veranstaltung.

Gemeinsam mit den Skepsiswerke-Mädels brainstormten wir unsere Hashtags (von Gesellschaftskritik bis #TeamCap war alles dabei) und verhaspelten uns in der Vorstellungsrunde dann doch, aber kein Problem – am Ende war man schließlich unter Gleichgesinnten und hielt eh nur nach Gesichtern Ausschau, die man von Twitter kannte und die man auf dem Litcamp bloß nicht verpassen wollte.

Und dann begann sie, die Sessionplanung. Im Gegensatz zu Ali & Laura war ich ganz unnötiger Weise furchtbar nervös. Was, wenn niemand Interesse haben würde? Was, wenn ich die Session auf eine Weise vorstellen würde, die ein falsches Bild dessen schuf, was wir tun wollten? Was, wenn! Was, wenn! Was, wenn! Die Nervosität ließ sich am Ende von der Frage besiegen, ob wir überhaupt noch einen Sessionplatz für den Samstag bekommen würden: der Andrang der Ideen war riesig und es klang alles so unglaublich gut, dass man hysterisch lachend rekapitulierte, dass es tatsächlich nur möglich sein würde, fünf der vielen Sessions anzusehen.

Aber, wie wir später am Tag lernen sollten: 97% aller Ängste sind unbegründet: wir bekamen einen Sessionslot zugesprochen, es meldeten sich Menschen mit Interesse und wir wurden in einen fantastischen Samstag entlassen.

Den wir mit Babsis (@blues1ren) Session zur Darstellung von psychischen Krankheiten in der Literatur begannen.

Obwohl gleichzeitig einige andere spannende Sessions stattfanden, war Babsi für uns ein No-Brainer. Wir alle haben Figuren in unseren Geschichten, die psychisch erkrankt sind (Alkoholsucht, Depression, Borderline Persönlichkeitsstörung). Von einer Psychologiestudentin also den Realtalk zu bekommen, konnte überhaupt nicht schaden. Im Gegenteil.

Es war wunderbar. Die Gespräche, die aufkamen, waren ausnahmslos spannend, weil einzelne Sessionbesucher sich bereit zeigten, ihre eigenen Erfahrungen mit psychischen Krankheiten offenzulegen, und auch alle anderen mit großem Interesse gekommen waren, manche sogar mit spezifischen Fragen. Und auch wenn ich mich als Psychologie-als-Nebenfach-Studentin und Psychiatrie-FSJ-lerin in vielen Punkten eher bestätigt als belehrt sah, war die Session auf eine Weise bereichernd, die ich mir gar nicht erhofft hatte. Mit der Erfahrung der Leipziger Buchmesse im Hinterkopf, wo die Sessionbesuche meistens mit dem Wunsch nach mehr Tiefe endeten, hatte man auf dem Litcamp und insbesondere bei Babsi keinerlei Probleme, diese zu finden.

Gehypt von dieser Session blieben wir gleich im Live-Stream-Saal und hörten uns die Session von Nathan (@zeitschlag) an, der uns von dem Rechtsstreit mit der AfD rund um die Website wir-sind-afd.de berichtete und uns im Rahmen dessen an der Fanpost teilhaben ließ, die ihn so erreicht hatte.

Es ist kein Geheimnis, dass Skepsiswerke ein Blog ist, der sich für Politik einsetzt und der sich auch als politisch empfindet, aber innerhalb dieser Session ist die Begeisterung für Politik und für das, was wir in unserer Demokratie füreinander tun können, enorm eskaliert. Solidarität, Leute. Solidarität.

Haltung beweisen und Solidarität nicht nur zeigen, sondern leben. Das ist es, was uns im Angesicht der menschenentwürdigenden Aussagen, Forderungen und Handlungen der derzeitigen Politik und Gesellschaft schützen, bemächtigen und helfen wird. Weil die Welt das ist, was wir daraus machen, und das heißt, dass wir sie nicht den Nazis der AfD, der CSU oder anderen Bewegungen überlassen können.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich verliebt. Das Litcamp war alles, was die Buchmesse nicht zu sein geschafft hatte. Neben den fantastischen Begegnungen, den lieben Menschen und tollen Gesprächen gab es hier endlich Input. Man kam an die Themen, die wirklich schmerzten, die an die Fundamente unserer Weltsicht, unserer Identität, unserer Träume und Hoffnungen gingen und dazu aufforderten, zu erkennen, dass wir alle Teil von etwas sind, das größer ist als wir selbst. Wenn man nur wollte, konnte man nach diesem Wochenende ein besserer Mensch geworden sein.

Und in eben diesem Mindset ging es für uns weiter: zu Dana Diezemann (@danadiezemann), die über ihre Geschichte als Transfrau berichtete.

Auf meiner Twitter-Timeline ist die Absurdität einer Geschlechterbinarität ein mindestens so prägendes Thema wie das #litcamp18 und trotzdem war die Stunde, in der Dana uns von ihrem Weg und dem berichtete, was sie währenddessen gelernt hatte, auf eine Weise bereichernd, auf die noch so viele Threads es nicht sein könnten. Hier war ein Gesicht. Hier war ein Mensch. Hier war eine Stimme.

Und darin verdient sie, gesehen und gehört zu werden. Weil wir eine dringende Erschütterung der bestehenden Vorstellungen brauchen. Weil sich etwas ändern muss und sich nichts ändern wird, bis wir alle anpacken und Diskurse öffnen, aufklären und vor allem: zuhören.

Niemand, niemand, niemand, niemand, n i e m a n d sollte jemals das Gefühl haben (oder sogar gesagt bekommen), er_sie sei auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar, weil er_sie sein_ihr Leben so lebt, wie er_sie wirklich ist. Niemand.

Mit etlichen Fragen über Gender-Normen, über Stereotypen, Rollen und Binaritäten gingen wir also ins Mittagessen, das mit vegetarischen Maultaschen furchtbar lecker war. Ganz großen Dank an die Organisation des Litcamps dafür. Für derart aufgebrachte Gemüter, für derart hochkochende Emotionen war das genau das Richtige.

Gestärkt haben wir dann aber auf die Uhr geguckt und festgestellt: wow. Nur noch eine Session und dann wir. Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh. Wir haben uns also in der Mittagspause schnell mal in den Veranstaltungsraum geschlichen, der unserer werden sollte, und nochmal geprobt. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir mit der wunderbaren Nina (@Lesecafe_Nina) und Victoria (@VictoriaLinnea1) ins Gespräch gekommen sind. Alltäglicher Rassismus, Geschlechterbinarität und wie damit in der Literatur umgegangen wird … das sind Themen, die uns alle in Atem halten sollten.

In Atem gehalten wurden wir auch von Rachel (@LivenItUp_DE) und ihrer Session zum Emotionalen Missbrauch als einem Trope in Liebesgeschichten.

Die Session hat wunderbar zu meiner aufgewühlten Emotionalität gepasst und die wachsende Fassungslosigkeit unter den Sessionbesuchern wird hoffentlich zu einer noch größeren Front von Leuten heranwachsen, die ihre Rolle in der Kritisierung solcher Beziehungsschemata erkennen und einnehmen. Wir stehen hier alle in einer Verantwortung als Teil einer überdurchschnittlich reflektierten Gruppe des Literaturbetriebs. Die Diskurse müssen lauter werden, die Erfolge in Relation gesetzt werden.

Wir können das besser. Also schulden wir es auch allen jungen Leser_innen, dass wir es besser machen.

Und dann, und dann, und dann: waren wir dran.

Emotional ein bisschen dünnhäutig, mit einer Nervosität, die uns bis zum Kinn stand, haben wir den Fernseher zum Laufen bekommen, auf dem wir euch unsere Präsentation zeigen wollten, und haben unverzüglich angefangen.

Wir sprachen darüber, was Repräsentation ist und warum wir sie brauchen – wir als Teil einer marginalisierten Gruppen, aber auch wir als Teil der Mehrheit. Sprachen darüber, wie schädlich Tropes sein können, die behaupten zu repräsentieren, aber letztendlich nur Stereotype und Stigmatisierung füttern, und letztendlich auch darüber, wie man sich als kulturfremde/r Autor_in mit own-voice-Autor_innen im Rahmen einer breiteren Diversität in der Literatur solidarisieren kann. Mehr dazu in den folgenden Wochen, in denen wir unseren Vortrag hier auf Skepsiswerke teilen werden.

Wir kamen recht schnell ins Diskutieren und das ist auf eine sehr respektvollen Weise geschehen. Eltern und Schulen wurden in die Verantwortung gerückt, aber auch wir selbst haben unser Lese- und Schreibverhalten reflektiert. Zu wenig beleuchtete Themen wurden an die Oberfläche geholt. Empfehlungen wurden ausgetauscht. Eigene Erfahrungen mit der Lektüre wurden für die anderen geöffnet.

Und am Ende war es großartig, dass wir die letzte Session des Tagesprogramm zugesprochen bekommen hatten, trotz einem stickigen, heißen Keller haben wir nämlich etliche Minuten überzogen, um mit euch allen in der Ausführlichkeit diskutieren und sprechen zu können, die uns allen nötig erschien.

Es war uns eine Ehre.

Aber mit uns war es noch nicht vorbei. Es ging jetzt in die Night-Sessions über. Das heißt: der Slushie hatte jetzt Alkohol.  Das hieß auch, nochmal eine Sessionplanung. Das hieß ein weiteres Mal Herzschmerz, weil drei Slots einfach zu wenig sind, wenn da so viele Leute mit fantastischen Ideen zusammen kommen.

Uns trieb es zuerst in Francis‘ (@buchbummelant) Session zum Bösen. Auf der Dachterrasse (was für ein Luxus!) diskutieren wir Antihelden, Antagonisten, Bösewichte. Wo verlaufen die Trennlinien? Was macht sie eigentlich aus? Wann sind sie gelungen? Wann nicht? Die Idee, dass Antagonist und Protagonist einander spiegeln könnten, um in ihrer Ähnlichkeit ihrem Konflikt eine unumgängliche Dringlichkeit zu verpassen, um ihn sozusagen auf ein existentielles Level zu heben, war für mich super spannend. Und genauso die Differenzierung zwischen Stilisierung einer Figur und der inhaltlichen, moralischen Ambivalenz einer Figur. Trotzdem: Snape ist kein Held. War er nie. Wird er nie sein. Punkt. After all this time, my ass.

Weiter zogen wir in Richtung von Nils‘ (@fripi) Session zur Polyamorie beziehungsweise zu Beziehungskonstruktionen jenseits der Monogamie. Wir waren allerdings ein bisschen früh und als fünf Minuten, bevor die Session losgehen sollte, noch keiner da war, disponierten wir um und schlossen uns der Session nebenan an. Kaum saßen wir, kamen Nils‘ Session aber doch noch zustande, also verließen wir die Cover-Show und verfolgten unseren ursprünglichen Plan. Und wie gut, dass wir das taten.

Mehr als alle Sessions davor veranlasste diese zur Polyamorie dazu, die Strukturen zu hinterfragen, die wir als Selbstverständlichkeiten einkaufen (dass eine Beziehung nur zwei Menschen umfasst, dass jede Beziehung so und so zu sein hat, dass einer Mensch alle Bedürfnisse erfüllen muss, …), und hat damit eine Reflektionsebene ermöglicht, die ganz, ganz tief schürft. Niemand muss Monogamie ablehnen, aber wir sollten uns alle mal fragen, warum wir sie für uns erwählt haben. Und über die simplen Umgangsformen (Kommunikation, meine Lieben, Kommunikation), die ein Polykül (die Beziehung zwischen mehreren Personen) benötigen, können wir sowieso enorm viel für das lernen, was in jeder Beziehung, sei die romantisch, platonisch oder familiär, hilfreich sein kann.

Das war Mindfuck der wundervollsten Art.

Aber es war vielleicht auch der eine Mindfuck zu viel. Vom Hunger getrieben haben wir uns die dritte Night-Session letztlich gespart (obwohl SingStar unglaublich verlockend gewesen wäre), sind nach einigen unergiebigen Kreisen auf der Suche nach Bankautomaten und Läden, die zwar GoogleMaps kannte, aber nicht die Realität, tatsächlich bei McDonalds gelandet und haben uns alle sehr, sehr, sehr, sehr, sehr nach unseren Betten gesehnt.

In die ging es dann für uns auch und ich hab ganze fünf Stunden Schlaf bekommen. Eine deutlich erholsamere Nacht, was mich denken lässt, die Schlaflosigkeit der Nacht zuvor war tatsächlich meiner Nervosität geschuldet.

Da für uns alle das Auschecken anstand, sind wir gemeinsam zum Dezernat geschlendert und haben beim Aufräumen von gestern sowie beim Broteschneiden geholfen. Diskutiert wurde schon über Philosophie und anschließend wurde mit dem Nachbartisch unerbittlich um den Anti-Pasti-Aufstrich von @tee_kesselchen gekämpft. Es war großartig. Vor allem, weil während des Frühstücks Begegnungen nachgeholt wurden, die am vorherigen Tag im Trubel untergegangen waren. Und, weil wir feststellen durften, dass die Schreibcommunity voller Marvelfans ist.

Ohne, dass wir uns untereinander abgesprochen hätte, vereinten wir Bucky, Captain America, Ironman, Hulk und Spiderman miteinander. Im Post-Infinity-War-Herzschmerz schrie das danach, festgehalten zu werden. Und so entstanden viele, viele, viele Bilder, als wir uns endlich alle zusammen getwittert hatten. Nicht alle sind furchtbar hübsch, aber die Freude, die es uns allen eingebracht hat, uns gefunden zu haben und uns auf denkbar einfachste Art in einem doch so fundamentalen Bestandteil unseres Selbstbildes kennengelernt zu haben: unvergleichlich, unbezahlbar. Wer interessiert sich da schon für das Aussehen auf dem Foto?

Den ganzen Tag über wurde das Entdecken eines Marvel-T-Shirts mit enormen Endorphin-Ausbrüchen belohnt. Jessy (@HeldinJessy), Sandra (@buchnapping_de), ihr seid fantastisch. Ihr seid ein Highlight. Was für ein Glück, euch getroffen zu haben.

Nach einer weiteren Sessionplanung und der erneuten Erkenntnis, dass es zu viele spannende Sessions und zu wenig funktionierende Zeitumkehrer gibt, ging es dann aber zurück in die Welt des Inputs. Anna (@ink_of_books) und Eva (@variemaa) wollten eigentlich schon am Samstag drüber reden, hatten aber großzügiger Weise anderen den Vortritt überlassen und sprachen jetzt mit uns über Blogger-Relations.

Wie schreibe ich einen Blogger an, dem ich vorschlagen möchte, mein Buch zu rezensieren? Eine Frage, die sich enorm viele Selfpublisher (und auch Verlagsautoren) stellen und die entsprechend unterschiedlich gut beantwortet wird. Dadurch, dass sich in Anna und Eva Buchblogger und Autorin vereinen, wurde das Thema von beiden Seiten beleuchtet und war entsprechend auch für beide Seiten nützlich, denke ich.

Ich jedenfalls bin ein bisschen beruhigter, wenn ich jetzt daran denke, in einem Jahr an Blogger heranzutreten, denen #DerUnterschied womöglich zusagen würde.

Die nächsten zwei Stunden habe ich dem Team des Litcamps als Engel ausgeholfen. Zwei Stunden verbrachte ich so an der Anmeldung. Als Ansprechpartner für Neuankömmlinge, als Wer-hat-die-Kekse-mitgebracht?-Detektiv, als Verstärkung für die Kinderbetreuung, während die eigentliche Kinderbetreuung zu Mittag aß, und schließlich auch als Hoheit über den Kühlwagen vergingen die Stunden aber wie im Flug. Und nach mir übernahm auch Ali noch eine Engel-Schicht.

Zu sehen sind außer Ali: Bianca @literatouristin und Babsi @blues1ren

Ich möchte jeden dazu ermutigen, sich diese zwei Stunden zu nehmen. Dass das Litcamp so gut funktioniert und so großartig ist, wie es das ist, das liegt daran, dass alle mithelfen. Damit das Team auch ein bisschen von der Stimmung haben kann. Damit der Gemeinschaftsgedanke, der von uns allen immer wieder so positiv erwähnt wird – die Augenhöhe, die wohlwollende Ehrlichkeit, die Freundlichkeit, der Respekt – auch weiterhin das Aushängeschild des Litcamps bleibt. Wir sind gefragt. Wir sollten antworten.

Laura und ich haben dann zum Abschluss noch eine Session von Suse (@literaturschock) zum Aufbessern und Schützen unserer Website mitgenommen, die viele neue und gute Ansätze geliefert hat, auch jenseits der Änderungen für die DSGVO, was man auch daran merkt, dass wir weder Zeit zum Twittern, noch zum Fotografieren hatten. Die Präsentation lässt sich aber auf Suses Website (literaturschock.de) finden, und haben uns danach von Esther aus unseren Köpfen holen lassen.

Im Stimm-/Sprechtraining von Esther (@Inky_Feathers) ging es darum, unseren Körper zu spüren und gerade für Lesungen das Bestmögliche aus unseren Stimmen herauszuholen. Fußmassage mit Flummi, Wachklopfen, Sprechen mit Korken im Mund – alles, um den Flugplatzspatz auf eine Weise artikulieren zu können, die die Stimme in einem Lesungssetting tragen kann.

Es war lustig, es war bereichernd, es war in seiner Einfachheit bestechend. Und eine großartige Abwechslung, die am Samstag durchaus auch angemessen gewesen wäre. Ein kleiner Geheimtipp für die Momente, in denen der Kopf nicht mehr recht mitmachen will. Ein Reset-Button sozusagen, der uns allen zur Verfügung steht.

Und damit war es schon wieder vorbei. 117 Sessions sind es am Ende gewesen. Eine Abschlusssession gab es noch, aber dann hieß es auch schon abbauen.

Was sehr viel schneller ging als erwartet, weil viele mit angefasst haben. Und dann hieß es: Bücher für die Engel. Bücher für die Litcamper. Bücher! Und bemalte Schuhe! Und Begeisterung für Unisex-Klos! Begeisterung füreinander. Ein Pakt für das Litcamp19 (Pride-Schuhe für alle Bislang-Uneingeweihten!). Und schließlich – der Abschied.

Mit schwerem Herzen in Richtung Bahnhof. In den IC. Durch die Timeline scrollen. Liebe verteilen. Den Blues willkommen heißen. Ein neues Buch beginnen.

Und rein in den Alltag. Hallo Bonn. Hallo Montag. Tschüss, Litcamp.

Was bleibt?

Gedanken.

Handlungsansätze.

Erinnerungen.

An Begegnungen. An Gespräche. An Menschen.

Pläne.

Vorfreude – auf Hamburg und aufs nächste Jahr.

Und wieder einmal das Wissen, dass man seine Ecke Internet, aber auch seine Ecke Welt gefunden hat, in und mit euch. Wir sind schon auf dem Weg in die richtige Richtung. Gebt uns noch ein paar Jahre und da passiert richtig geile Scheiße.

Wir sind die Zukunft. Und das kann uns verdammt nochmal hoffnungsvoll stimmen.

Und wenn Ugo Eze warnt, »be careful who you make memories with. those things can last a lifetime«, dann denk ich ans Litcamp zurück und hoffe auf genau das.

In aller Liebe,
Kira

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