skepsiswerke

Ali / Gesellschaft

DC statt Marvel und kein Oscar Hosting – Ein Kommentar zu James Gunn und Kevin Hart

James Gunn und Kevin Hart haben eines gemeinsam: Sie wurden beide von der Öffentlichkeit lauthals kritisiert und mussten von ihrem bisherigen Job beziehungsweise Auftrag zurücktreten – weshalb? Weil Tweets von ihnen an die Oberfläche gekommen sind, die nicht nur entsetzliches Gedankengut zeigen, sondern obendrein noch eine Community beleidigt haben.

Jetzt? Das erste, was ich finde, als ich Kevin Hart google, ist dass er, er selbst, vom Hosting der Oscars zurückgetreten ist.
James Gunn macht nach seinem Rauswurf bei Guardians of the Galaxy mittlerweile Filme über SuperheldInnen für DC. [1]

Aber nochmal ganz von vorn.

Die Situation
James Gunn ist Drehbuchautor, Schauspieler, Produzent und Regisseur. Für die meisten ist er der bekannteste Regisseur und Schreiber der Texte der Filme Guardians of The Galaxy Vol. I und Guardians of The Galaxy Vol. II. 2017, als das Drehbuch für Teil drei der SuperheldInnenfilmreihe bereits fertig geschrieben gewesen ist, tauchten plötzlich alte Tweets des Amerikaners auf:
In denen amüsierte er sich öffentlich über Pädophile und äußerte sich lässig über Vergewaltigung.
In vielen Diskussionen um dieses Thema wurden vor allen Dingen in der Fanbase und auch in den Medien vor allem die Quelle, die die Tweets ans Licht gebracht hat, kritisiert.
So oder so feuerte Disney ihn und er wurde fortan von den Arbeiten rund um die Marvel-Filme ausgeschlossen.

Kevin Hart hat eine nicht ganz unähnliche Situation durchlebt: Als Schauspieler und Comedian wurde er eingeladen, die Oscars, die im März 2019 stattfinden, zu moderieren. Anschließend kamen auch von ihm Tweets aus den Jahren 2009-2011 wieder an die Oberfläche. Nach einigem Hin und Her, in dem er sich zunächst zu keiner offiziellen Entschuldigung der LGBTQI+ Community durchgerungen hat, aber einen Tweet schrieb, wie schrecklich leid ihm alles tut und in ihrer Show von Ellen DeGeneres in Schutz genommen wurde, ist er nun endgültig vom Hosting zurückgetreten. Obwohl, nach Ellen DeGeneres, die Dudes im Oscar-Komitee sich noch darum gerissen haben, ihn doch mit dabei zu haben.

Die Tweets
Sowohl bei James Gunn als auch bei Kevin Hart sind die Tweets nun rund acht bis zehn Jahre alt. Verjährt? Unwichtig? Beide behaupten, sie hätten sich verändert und dass sie sich mit ihrem alten Geschriebenen nicht mehr identifizieren können. Wie verfährt man damit?
Bei James Gunn wurde auch öffentlich in bekannten Zeitungen kritisiert [2], dass es zum Rauswurf gekommen ist und der Fokus eher auf die Veröffentlichungsquelle gelenkt. Fans machten laut, dass das nur alter Quark sei und dass man das unter den Tisch fallen lassen kann, weil es praktisch ewig her ist.
Kevin Hart wurde öffentlich von Ellen DeGeneres – die selbst Teil der LGBTQI+ Community ist – in Schutz genommen und dazu angespornt, doch noch die Oscars zu hosten.[3]

Wie finden wir das?
Sie zu feuern und ihnen ein Hosting wegzunehmen, ist eine verdiente Strafe. Für Kevin Hart ebenso wie für James Gunn gilt: Es handelt sich um zwei Männer, die beide rich und in der Öffentlichkeit angekommen sind. Wie sich insbesondere bei James Gunn schon herausgestellt hat – nach Tweets in denen er sich öffentlich über Pädophile äußert und Vergewaltigungen lustig findet – darf er weiterhin unangetastet Filme produzieren. Dieser Mann wird weiterhin eine Karriere haben. Ohne, dass er für sich selbst und damit öffentlich selbst reflektiert hat, was er eigentlich geschrieben hat. Die allzu bekannte Ausrede ist hier „Ich habe mich verändert“. Sie ist schlampig, langweilig und unglaubwürdig. Auch sein Gefasel von „Ich wollte provozieren und lustig sein, in dem ich schlimme Tabus breche und darüber Scherze“ [4] geht nicht. Macht er jetzt bessere Witze? Vielleicht. Muss man diese Persönlichkeit infrage stellen, wenn er solche „Werte“ – denn wer über Pädophile und Vergewaltigungen Witze macht, spricht bereits über seine Werte – in die Welt pusten kann? Ab-So-Lut.
Dass auch Kevin Harts Leben nach seinen Tweets wie gewohnt weitergehen wird, ist unzweifelhaft. Ellen DeGenres ist nur Teil einer Community und steht nicht für die gesamte – das hat auch der Chefredakteur der des Out Magazines so gesehen. In seinen Tweets kritisierte er neben Ellen, die Kevin Hart in ihrer Show nochmal eine Bühne gab, dass weder von ihr noch von ihm der Anstoß kam, das Thema, die Beweggründe und den Prozess der Veränderung zu beleuchten. Stattdessen konnte man Kevin Hart dabei zusehen, wie er sich als Opfer inszenierte, bei dem leider, leider alte Tweets herausgewühlt wurden. Diejenigen, die es ans Licht gebracht und ihn kritisiert haben, wurden auch von der berühmten Moderatorin als „Trolle“ abgestempelt. Just: Wow.

Die Lösung
Spoiler: Es gibt keine.
Was sich hier offenkundig zeigt, ist, wie die Branche in Hollywood funktioniert und das nicht zum ersten Mal, im ‚schlimmeren‘ und weniger ‚schlimmeren‘ Grad. Da wir es mit zwei Dudes zu tun haben, die in dem, was sie neben gehässigen Tweets-Schreiben tun, eigentlich ganz gut sind, wird alles ganz normal weitergehen.
Ja, es wurde ein Job verloren und was Kevin Hart und James Gunn gelernt haben, ist dass man im Internet mit Tinte, und nicht mit Bleistift schreibt [5]. Aber die Branche verdient immer noch gut an ihnen; das heißt, falls man selbst nicht Konsequenzen zieht, wie beispielsweise aufhört, Filme zu besuchen, Shows zu sehen und über solche Themen zu schweigen, wird sich nichts verändern.

Selbstverständlich kann man hinterfragen: Das ist zehn Jahre her. Der Mensch kann sich verändert haben. Ich muss weiterleben und nicht in der Vergangenheit schwelgen.
Aber das ist auch eine Frage, die jeder individuell für sich beantworten muss. An dieser Stelle kann man sich beispielsweise dazu entscheiden, zu beobachten, wie die Persönlichkeiten sich in der Öffentlichkeit und in ihrer Art zeigen und weiterentwickeln; doch weder bei Kevin Hart – der sich als Opfer inszenieren ließ – noch bei James Gunn, der sich zwar entschuldigt hat und sich bereit erklärt hat – haha, toll – die Verantwortung zu übernehmen, sind Tendenzen der Weiterentwicklung zu erkennen.
Weiterentwicklung entspräche eventuell der Unterstützung und Befürwortung der Communitys, der Gegensprache über das, worüber sie „scherzten“. Wobei auch das durchaus hinterfragbar ist; vielleicht sollte man sich auch einfach davon fernhalten und zusehen, dass man Land gewinnt.

Die richtige Lösung gibt es nicht. Nur darüber zu schweigen und es unter den Tisch zu kehren, ist keine Option.

Alisha

_______________________________________

[1] DC: Ex-Marvel-Regisseur James Gunn arbeitet jetzt an Suicide Squad 2
[2] Axel Weidemann: Geschwätz von Gestern
[3] Ellen DeGeneres bringt Kevin Hart erneut für Moderation ins Spiel
[4] Nach kontroversen alten Tweets: Disney feuert James Gunn von Guardians of the Galaxy Vol. 3!
[5] The Social Network

Leave A Comment