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Alltag / Laura

Captain Marvel und das MCU: Warum female representation wichtig ist

Mit Superhelden in der heutigen Gesellschaft ist es ein bisschen wie in „Marvels“ von Kurt Busiek & Alex Ross. Die einen verachten Superheldinnen/Superhelden und wollen sie nur loswerden – Die anderen würden ihnen ihr Leben anvertrauen und möchten so gar nicht mehr ohne sie. Wer war Team Iron Man, wer Team Cap? Wer wird den Kampf in Ragnarök gewinnen: Thor oder Hulk? Peter Quill und Yondu; Eine tragische (für mich nicht wirklich überzeugende) Vater-Sohn Geschichte. Und wo zum Teufel sind eigentlich unsere Superheldinnen abgeblieben?

Weibliche Heldinnen des MCUs/Marvel

Natasha Romanoff. Gamora. Wanda Maximoff.  Pepper Potts. Hope Van Dyne. Jessica Jones. Mantis. Valkyrie. Nebula. Elektra. Misty Knight. Shuri. Peggy Carter. Lady Sif. Sharon Carter. Maria Hill. Die Älteste.  Colleen Wing. Carol Danvers. Gwen Stacy. Okoye. Nakia.

Welche dieser Frauen hat bisher ihr Solo-Movie/Serie bekommen?

Jessica Jones. Peggy Carter(auch wenn die Serie nach kurzer Zeit wieder abgesetzt wurde). Carol Danvers.

Aber es gibt doch Heldinnen!

Tatsächlich gibt es weibliche Helden. Es gibt weibliche Helden in Nebenfiguren oder auch Hauptfiguren, wenn sie sich ihren Platz mit einem „starken“ Mann teilen können, wie in etwa bei den Guardians Of The Galaxy, in denen die Guardians ohne Gamora wohl gar nichts wären. Nicht wegzudenken ist aber vor allem Peter Quill, der in der Gruppe dennoch die größere, wenn nicht sogar wichtigere Rolle bis dato hatte. Gleiches gilt für Figuren wie Natasha Romanoff, die, ja, schon Teil der Avengers ist, auch wenn es doch irgendwie merkwürdig ist, dass sie auf Filmplakaten schnell weggelassen werden kann und nie wirklich die „wichtigen“ Aufgaben erledigt, dass sie sich selbst in Age of Ultron als „Monster“ bezeichnet, weil sie keine Kinder bekommen kann, vor einem MANN, der sich in ein großes, grünes Monster verwandelt und dabei wahllos Menschen tötet. Es ist vollkommen klar, dass Natasha Romanoff ein wahres Monster ist, weil sie gegen ihren Willen sterilisiert wurde, statt dass sie sich selbst für ein Monster hält, weil sie Leute tötet. Eindeutig, weil sie keine Kinder bekommen kann.
Und natürlich gibt es Badass Frauen wie Peggy Carter oder den intelligentesten Menschen, den die Erde jemals gesehen hat: Shuri. Shuri, die intelligenter als Bruce Banner ist, und, auch wenn sie sich bis dato nicht getroffen haben, wohl auch intelligenter als Tony Stark. Den Anzug, den er gebaut hat, könnte sie wohl in verbesserter Form innerhalb kürzester Zeit nachbauen. Lasst mich nicht mit Mantis anfangen, die den Guardians gegen Ego allein ein großes Zeitfenster verschafft, die es schafft, Thanos so lange ruhig zu halten, nur damit Peter Quill in seiner Männlichkeit dann die Nerven verliert und total ausrastet, womit er den ganzen Plan zerstört.

Was haben sie gemeinsam?

Sie haben keinen Platz. Sie sind Nebenfiguren. Sie sind zu großen Teilen sogar Randfiguren. Ihren Platz müssen sie immer teilen, immer mit einem Mann: Entweder weil dieser doch wichtiger ist als sie oder weil sie plötzlich eine Romanze in ihrem Leben haben, auf die sie reduziert werden.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem Bruder und Vater, die sagten Natasha Romanoff wäre „unwichtig“ für die Avengers, die könnte man ehesten kicken. Ich erinnere mich an meine gigantische Enttäuschung, als ich das erste Mal den Trailer zu Infinity War gesehen habe und Wanda und Vision aus für mich unverständlichen Gründen nun ein Paar sein mussten. Dass Leute in Gesprächen sagen, Maria Hill wäre keine Superheldin – Dabei kann sie nichts schlechter als Nick Fury, der im Gegensatz zu ihr auch noch ein ziemliches Arschloch ist.

Sie werden flach gehalten. Das MCU ist wohl das perfekte Beispiel dafür, wie die Macht oder Kraft von Superheldinnen immer schön flach gehalten wird. Das fällt dicht mit dem Platzproblem zusammen; Wanda Maximoff, die für mich in Infinity War die Stärkste der Avengers war, durfte nicht im Kampf gegen die Armee den Unterschied machen – Das musste Thor sein. Sharon Carter, eine Figur, die in ihren Ursprüngen eine badass Frau ist, die auch auf Steve Rogers scheißen kann, hält eine Rede, gibt ihm eine Akte und Ausrüstung und küsst ihn einmal, bis ihr Auftritt in Civil War beendet ist (und besteht obendrein noch darauf, dass er das irgendwie wieder gutmacht, als ob sie das ernsthaft bräuchte, statt mal ein bisschen decency von diesen Mann). Alle Szenen, in denen sie tatsächlich etwas wie ernsthafteren Charakter hätte zeigen können, sind aus dem Film herausgeschnitten worden, weil Frauen, nein, wartet, Love Interests, mehr ist sie leider Gottes nicht in diesem Film, eigentlich gar keinen Charakter brauchen und schon gar keinen eigenen Willen.

Das waren die letzten Jahre des MCUs. Doch es gibt Hoffnung.

Proxima Midnight to Wanda: He’ll die alone. As will you.
Nat: She’s not alone.

Warum ist female representation so wichtig?

Ich hab einen Tweet dazu gelesen, der einen Teil davon beschreibt – Beziehungsweise, warum es so problematisch ist, dass bisher hauptsächlich Männer die Rolle des Superhelden annehmen durften:

»now I understand why men are so full of themselves, I watched a two minutes trailer about a powerful female superhero and I feel ready to take over the world. Imagine what it feels like to have constant postive reinforcements about your gender wow«.

Wir suchen nach Identifikation, egal, wo wir uns befinden, egal,worum es geht. Um unsere Hautfarbe (ich habe Glück und bin weiß, womit ich auch in Filmen einige Privilegien genieße, was Identifikation angeht), sexuelle Orientierung, Körperform, Religion, Geschlecht, oder oder oder. Und die Wahrheit ist, dass es für Frauen immer noch schwierig ist, Identifikation in einer wirklich großen Superheldinnengröße zu finden, weil es sie bisher nicht gibt. Auch wir Frauen wollen uns stark fühlen, mächtig, als könnten wir die Welt retten und müssten nicht gerettet werden, wie es uns beispielsweise oft das MCU mitgibt. Frauen wollen auch in SuperheldInnenfilme badass Frauen sehen, die mit badass Frauen kämpfen und wie im wahren Leben auch anderen Menschen (darunter auch, ja, Männern) den Hals retten. Wir wollen auch Frauen, zu denen wir aufblicken können, in denen wir einen Teil von uns selbst sehen oder einen Teil davon, den wir gerne hätten. Wir wollen auch Vorbilder, aber wir wollen auch Frauen, die so sind wie wir.

Ein Plädoyer an Carol Danvers aka Captain Marvel

Schon lange, bevor tatsächlich der Trailer zum ersten Female Superhelden Solo-Film von Captain Marvel rauskam, war klar, dass es etwas Besonderes sein würde. Nicht nur, dass Carol Danvers wahrscheinlich die stärkste Superheldin von ALLEN ist (ja, auch stärker als alle Superheldenmänner da draußen), war ich ganz fasziniert von der Hingabe, mit der Brie Larson für die Figur kämpft und Workouts machen, trainiert und macht und tut, bis sie alleine ein Auto bewegen kann. („Well, she can move planets, the least I could do is move a car“). Vorbildsfunktion bei so viel dedication? Check!

Und dann kam der Trailer raus, in dem aus „Her“ „Hero“ wurde, in dem Bösewichte bekämpft wurden, in dem Carol Danvers immer wieder fällt, nur um am Ende doch wieder zu stehen. Es ist schwierig zu beschreiben, was für ein Moment das gewesen ist, ganz persönlich für mich, aber dass ich angefangen hab zu weinen, spricht wohl für sich. Sich repräsentiert fühlen, stark, zu sehen, dass da mal ein paar Männer um einen herum zu einer Frau aufblicken –denn im Gegensatz zur Black Widow Thematik waren nur beeindruckte Reaktionen zu sehen – dass es das noch gibt, das war groß, ganz groß, das nur zu sehen. Wobei das noch das kleinere Gefühl war neben dem von PRAISE THIS WOMAN, THAT WILL SAVE THE WORLD. SHE IS ONE OF US-Gefühl, dass da hochkam. Wir hätten alle Carol Danvers/Captain Marvel sein können, denn Her und Hero stehen für eine Frau, die für uns alle steht und die im MCU auch in den nächsten Jahren eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtige Rolle spielen wird. Ebenfalls bin ich überzeugt davon, dass sie in Avengers: Endgame wohl den Unterschied, doch unglücklicherweise wieder altbekannten männlichen Helden wie Steve Rogers und Tony Stark Platz machen wird. Auch wenn sie wohl am Ende diejenige sein wird, die aufräumt, neben ihren weiblichen, heldenhaften Kolleginnen.

Der Solo-Film zu Captain Marvel ist hoffentlich nur der Anfang einer Reihe von Filmen, in denen nicht nur weiße Frauen Repräsentation in starken Figuren finden, sondern in den nächsten Jahren auch BPoc und PoC Frauen, muslimische Frauen (wie es beispielsweise Ms. Marvel ist), nonbinary Frauen und und und.
Für das MCU ist zumindest in nächster Zeit noch ein weiterer female Superhero-Solo-Film geplant: Nämlich der von Black Widow, die ja ach so langweilig ist, obwohl sie es geschafft hat, einer Organisation zu entkommen, die sie gefoltert und ihr eine Gehirnwäsche seit ihrer Kindheit gegeben hat. Ihr Gedächtnis wurde zwar nicht gelöscht, aber sorry Bucky, das hast nicht mal du geschafft.

Desweiteren möchte ich am Ende dieses Beitrages Frauen des MCUs loben, die noch nicht genug Raum bekommen haben und diesen hoffentlich bald gewährt bekommen: Shuri, Okoye, Nakia, Valkyrie, ach, jede von ihnen.

Here’s to strong women. May we know them. May we be them. May we raise them.

• Laura

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