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Ali / Buchmesse

Buchmenschen sind Herzmenschen – Die Frankfurter Buchmesse 2019

Letzte Woche um diese Uhrzeit war für mich mein allererster Besuch der Frankfurter Buchmesse vorbei. Diesmal habe ich die Messe nur am Samstag und Sonntag besucht, natürlich in Begleitung von Laura (Kira hat schmerzlich gefehlt). Bereits im Voraus sind wir ‚gewarnt‘ worden, dass es hier sehr viel voller werden würde als in Leipzig. Das konnte unsere Vorfreude jedenfalls keineswegs dämmen.

Samstag
Gegen zehn am Abend sind wir freitags im schönen Frankfurt angekommen. Relativ schnell sind Laura und ich uns einig gewesen, dass Frankfurt Berlin nicht so unähnlich ist. Wenigstens das S-Bahn-Netzwerk ist ähnlich gut miteinander verbunden. So haben wir jederzeit zwischen Hotel-Hauptbahnhof-Messe hin und her pendeln können.

Spätabends im Hotel haben wir dann unsere Termine mit sehr, sehr wunderbaren Buchmenschen vereinbart. Sehr optimistisch haben wir danach halbe Stunden, die wir zwischen Treffen gehabt haben, noch mit Ideen für Vorträge, Interviews und Präsentationen füllen wollen. Dank der Frankfurter Buchmesse App ging das sehr gut. (Spoiler Alert: Nichtsdestotrotz war das hoffnungsvoll, aber nicht sinnvoll geplant.)

Unser nächster Morgen begann um 9 Uhr. Nach einer sehr langgezogenen Selfie-Session, die nur wenig effizient verlaufen ist, sind wir das erste Mal um 11 Uhr vor der Messe gelandet. Wie uns prophezeit worden ist: die S-Bahn und die Rolltreppe waren brechend voll. Während man sich gedrängt hat, wurden religiöse Büchlein verteilt. Dann noch die Taschenkontrolle. Zack, dann war es soweit: die Frankfurter Buchmesse!

Halle 3 sollte unser erster Anlaufpunkt sein. Halle 3 war absolut überfüllt. Leider war es sehr schwierig, sich Stände und Bücher anzuschauen, geschweige denn mit Mitarbeitern des Standes über das Ausgestellte ins Gespräch zu kommen. Das vermeintlich Gute ist gewesen, dass man nicht hinfallen konnte – es war räumlich gesehen schlicht und ergreifend bei der Masse von Menschen nicht möglich. Hin und wieder ließ man sich dann in eine Richtung treiben, in die die Menge einen geführt hat. Unter anderem hat sie uns direkt in die Arme von Dani geführt, die uns erkannt und angesprochen hat. Da wurde einem sehr warm ums Herz.

Dank schlechtem Orientierungssinn hat es einige Zeit gedauert, bis wir die liebe Jessy endlich getroffen haben. Es wurde über den Weltrekord der Harry-Potter-Cosplays philosophiert, der geschafft werden wollte, über Marvel gesprochen und ziemlich hervorragende Pläne zur Leipziger Buchmesse 2019 geschmiedet. Stay tuned, people, something’s happening here (or, rather, on WhatsApp.)

Anschließend ging es weiter zum Treffen mit dem restlichen Orga-Team des LiteraturCamps Berlin. Just, als hätten sie gewusst, dass wir dort waren, sind uns direkt Alena und Laura in die Arme gelaufen. Es wurde sich kurz gedrückt und gequatscht, nochmal kurz über die gemeinsame Ahnungslosigkeit sinniert, wohin es am Abend zum gemeinsamen Essen gehen sollte. Dann zum Orga-Treffen!

Nach einigen Absprachen, was die großartige Victoria bereits auf der Messe sponsorentechnisch erwirkt hat, einer Umarmung von Mari und der schnellen Aufnahme von Lizu in der Gruppe, wurden unsere bunten Umschläge mit Infos für Sponsoren verteilt. Dann ging es zurück in die Menge von Halle 3, diesmal mit einem Ziel: mögliche Sponsoren ansprechen und sie für unser Vorhaben zu begeistern. Dabei muss nochmal besonders Victoria hervorgehoben werden, die übrigens von uns allen mit der außergewöhnlichsten sozialen Kompetenz glänzte, kurz, bündig und interessant unsere Veranstaltung pitchen konnte. Dieses LitCamp Berlin wird herrlich, versprochen.
Aber wie immer, wenn wir alle zusammenkommen, war es ein Fest. Es war wie immer unterhaltsam, lustig und lehrreich. Viel Liebe an der Stelle für Wolki, Anna, Victoria und Lizu, keinen von euch hätte ich auf der Messe missen wollen!

Damit war die zweite Hälfte des Tages angebrochen. Nach einigen Eskapaden am Waffelstand, an dem ich nach einer Dreiviertelstunde Warten etwas unangenehm mit drei älteren Frauen zusammengerasselt bin (ich bin ein Fighter, wenn’s ums Essen geht), kam es dann endlich zum Treffen mit Liara und Lilly. Laura und ich haben ein so herzerwärmendes Feedback für unser Schreiben von Lilly und Nicini (die leider nicht da sein konnte) bekommen. Wir wurden Inspirationen und Vorbilder genannt. Das ist Goals. Ich bin immer noch geflasht, wenn ich daran zurückdenke.
Es gab einen kurzen Chat mit fremden Menschen, die uns einen Messeplan vermacht haben. Anschließend haben wir mit Lilly und Liara über Harry Potter philosophiert und festgestellt, wie klein die Welt ist (ich sage nur: Laura und ich kennen Lilly und Nicini über myff, Lilly und Liara kennen sich über ein HP-‚Forum‘, wir kennen Liara von Twitter. Es ist eine sehr kleine Welt.).

Als Liara und Lilly dann zur Zählung für den Weltrekord von Harry-Potter-Cosplays losgezogen sind, ist direkt Anne zu uns gestoßen. An dieser Stelle muss sehr hervorgehoben werden, was für ein lieber und herzlicher Mensch sie ist (man möchte sie andauernd drücken). Auch hier sind wir endlich zu einem kurzen Austausch gekommen, Laura hat die Signatur in das von Anne geschriebene Buch bekommen ‚Die Talentierten – Des Sandes Widerhall‘ und mich erwartet ein Buchpaket. Wir hatten High Quality Gespräche. Das war ein kleines Messehighlight.

Unser letztes Treffen auf dem Messegelände war mit Francis und Katrin. Die beiden haben noch Frederic und Philipp mitgebracht. Eigentlich wollten wir gemeinsam Kakao trinken, schlussendlich lief es allerdings auf das Teetrinken von Franics (mit kaputtem Teebeutel und Teeblätter-Familien, Babyteeblätter, die nach ihren Müttern rufen) und Kaffee mit Milch hinaus. Nebenbei haben wir Frederic seines Merchandise ‚beraubt‘, die er von einem Getränkemacher bekommen hat, die von ihm mitgebrachten Süßigkeiten gegessen (nur nicht die Lakritze) und Francis etwas Laktose serviert. Wir haben ziemlich viel Blödsinn geredet, zuletzt auch, weil wir alle ziemlich erschöpft gewesen sind. Aber lustig war’s, ich hatte Bauchschmerzen vor Lachen.

Als Abschied von der Messe, von der wir nichts gesehen hatten, gab es noch ein abschließendes Knuddeln mit Jessy und Dani. Zum Schluss haben wir uns dann nochmal mit ein paar Worten in Danis Buch über unser Treffen verewigt.

Zum Abschluss des Messe-Samstag ging es noch zu einem Abendessen mit Alena und Laura. Wir haben uns schlussendlich auf ein mexikanisches Restaurant geeinigt, Pop-Musikvideos mit dramatischer, spanischer Musik unterlegt gesehen, lange geredet, scharf gegessen und endlich mal the Mexican Side of Food kennengelernt. (Ich empfehle es jedem von euch, mal ein paar enchiladas zu probieren.)

Von Lauras und meinem ambitionierten Wunsch, noch 9lesen zu besuchen, war leider nicht mehr viel übrig. Völlig erschöpft sind wir nur noch ins Bett gefallen. (Aber man hat sehr Großartiges gehört, weswegen es doppelt so schade war, nicht dort gewesen zu sein.)

Sonntag
Unser Sonntag sollte etwas ruhiger ablaufen. Trotz Kofferpacken waren wir früher fertig und sehr pünktlich um elf bei der Messe. Um wenigstens irgendetwas auf der Messe gesehen zu haben, sind wir durch die relativ ruhige Halle 4.1 geschlendert. Dort sind wir Buchständen aus China, Japan, Philippinen und Korea begegnet. Besonders letzteres ist in Erinnerung geblieben: Frauen aus Korea, die in den 1970ern oder später geboren, erfolgreich und übersetzt worden sind, ist ein extra Regal gewidmet worden, ein Ausstellungsteil „The eternal feminine draws us on high“. In diesem Regal wurde besonders hervorgehoben, wie junge Frauen in den Büchern, die sie schreiben, nicht nur den Zeitgeist ihrer Heimat treffen, sondern den Finger auch erfolgreich in die wunden Punkte der Gesellschaft legen.
Das Regal war wunderschön beleuchtet, schöne Cover von verschiedenen Übersetzungen der Werke sind zu sehen gewesen. Man wollte gar nicht weggehen, sondern sich ein Buch schnappen und loslesen. (Ich habe jedenfalls ein bisschen Inspiration für meine Weihnachtswunschliste bekommen.)

Ein paar Blicke wurden noch in Halle 6 geworfen, wo wir wunderschöne Notizbücher entdeckt haben, einen kleinen, amerikanischen Comic-Stand und einen abgebauten von Blizzard. Viel war hier nicht mehr zu sehen.

Zurück in Halle 4.1 haben wir sehr interessiert noch einen großen Teil der Diskussion über „Global Citizien – Perspektiven einer Weltgesellschaft“ mitgenommen. Drei Experten aus verschiedenen Bereichen haben allerlei Themen zusammengeführt: Raumfahrt, Umweltschutz, Bildung, Rechtsdruck, Auslandaufenthalte – alles Themen, die jeden etwas angehen, nicht nur Menschen in Deutschland, nicht nur alte Menschen, sondern vor allem junge. Authentische Influencer, die über wichtige Themen sprechen, wurden zur Sprache gebracht. Dass es nicht darum geht, später auf dem Mars zu leben und dass man sich deswegen auf der Erde austoben und alles zerstören kann – es geht um die Erhaltung der Welt. Wie wichtig Bildung und Aufklärung ist, um nicht auf rechte Polarisierung hereinzufallen.

Als Abschluss der Messe ging es zu einem letzten Essen mit Francis und Katrin. Es gab Nudeln und Gespräche über Fantasy und dass man sich nicht mal schnell eine Geschichte ohne Basis aus dem Ärmel zaubert (das tut man nirgendwo, aber in der Fantasy ist das wirklich schlicht unmöglich!). Es wurde noch viel gedrückt, Francis hat wieder ihre organisatorischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt – sie hatte Pflaster mit dabei – bevor es nach Frankfurt Süd ging. Und von dort aus direkt wieder nach Berlin.

Fazit
Frankfurt ist eine schöne Stadt und zur Messe-Zeit hält sie wunderbare Menschen bereit, wie das keine andere Stadt kann. Die Messe ist brechend voll, insbesondere am Samstag. Ein Messe-Plan im Vorhinein zu kaufen und sich einen Plan von den Räumlichkeiten zu verschaffen, hilft sehr, denn es ist riesig, voll und unübersichtlich. Zu viele Termine an einem Tag mit Menschen macht soziale Akkus etwas schnell leer. Wenn man früher kommt, kann man sich noch Stände und Bücher ansehen.

Und trotz der oben getroffenen Einschränkungen lässt sich zur Buchmesse nur sagen: Es war wunder-wunder-wunderbar. Ich würde gern nochmal hin, nochmal mit allen Leuten reden, sie drücken, philosophieren und scherzen. Leipzig ist leider noch so weit weg, aber ich erwarte die Messe voller Ungeduld. Buchmenschen sind Herzmenschen, zu Buchmessen zu gehen, ist auch, nach Hause zu gehen.

 

Wir sehen und hören uns bei der Leipziger Buchmesse. Viel Blues von dieser Seite, viel Liebe und sehnlichst, bis dahin

Alisha

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